#1 Tecklenburger Nordbahn: Professor sieht Renaissance der Bahn von Alexander Schmitz 16.02.2011 17:49

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„Die Bahn kommt“, lautete ein bekannter Werbeslogan der Deutschen Bahn. Nach Meinung der vier Experten, die am Montagabend bei einem interkommunalen Austausch des Kreises Steinfurt im Mettinger Bürgerzentrum über das Thema „Reaktivierung von Schienenstrecken“ sprachen, kommt die Bahn sogar wieder. „Wir erleben eine Renaissance der Eisenbahn“, sagte Professor Dr. Christian Böttger von der Hochschule für Technik und Wirtschaft in Berlin.

Rund 120 Zuhörer waren ins Bürgerzentrum gekommen. Darunter zahlreiche Kommunalpolitiker aus Mettingen, Westerkappeln, Lotte und Recke sowie deren Bürgermeister. Diesmal solle es nicht konkret um Möglichkeiten zur Reaktivierung der Tecklenburger Nordbahn gehen, betonte Landrat Thomas Kubendorff zu Beginn. Das Thema sei vielmehr die generelle Bedeutung des Schienenpersonennahverkehrs für den ländlichen Raum.

In den folgenden knapp zwei Stunden bekamen die Zuhörer geballt viele Vorteile des Bahnverkehrs sowie Erfolgsgeschichten wiedereröffneter Schienenstrecken präsentiert. Rund zehn Reaktivierungen habe es in den vergangenen zehn Jahren in Deutschland gegeben, sagte Professor Böttger. Bei den Fahrgastzahlen seien die Prognosen fast immer übertroffen worden.

Der Belastung für Bürger durch Lärm oder für den Straßenverkehr durch Bahnübergänge stünden Gegenwirkungen gegenüber: Der Straßenlärm gehe durch weniger Busverkehr zurück, ferner gebe es weniger Staus. Ein Bahnanschluss könne zudem einen Standort attraktiver machen. So trage ein Bahnhof oft dazu bei, wieder einen zentralen viel belebten Ort in der Kommune zu schaffen. Der Trend gehe weiter Richtung öffentliche Verkehrsmittel, wobei die Akzeptanz der Bahn bei den Fahrgästen generell höher sei als beim Busverkehr.

ZVM-Geschäftsführer Michael Geuckler berichtete über die positiven Erfahrungen mit der Reaktivierung der Strecke Gronau-Enschede. Auch dort sei die Bebauung in einzelnen Orten an der Strecke ganz nah an die Bahn heran gerückt. Das spreche für die Belebungsthese von Professor Böttger.

Sehr unterhaltsam sprach Dr. Stephan Rolfes, Vorstand für Verkehr von den Stadtwerken Osnabrück, über die Wiederbelebung der Strecke von Dissen-Bad Rothenfelde nach Osnabrück. Die Verbindung hat die Nordwestbahn seit 2005 übernommen. Fahrgäste seien hauptsächlich Pendler und Studierende.

Nur mit einem 60-Minuten-Takt komme man bald nicht mehr klar. Die Park-and-Ride-Parkplätze an den Haltepunkten seien inzwischen zum Teil bis zu vier Mal erweitert worden. Um die Bahn zu nutzen, nähmen die Leute auch längere Fußwege in Kauf. Rolfes betonte ferner, dass die Bahn in Zukunft vor allem preislich gegenüber dem Auto attraktiver werde.

Lothar Ebbers, Pressesprecher ProBahn NRW, hält die Reaktivierung von Bahnstrecken gerade in Regionen für sinnvoll, in denen ein großer Arbeitgeber wegzubrechen droht. Spätestens dort waren die Teilnehmer wieder bei der Tecklenburger Nordbahn und der Perspektive, dass 2018 mit dem Bergbau in Ibbenbüren Schluss sein könnte. Ein ähnliches Problem hätten auch Kamp-Lintfort und Neukirchen-Vluyn. Ebbers: „Beide Kommunen versuchen daher, durch Reaktivierung von Bahnstrecken eine Anbindung an Duisburg zu bekommen.“

Quelle: Borkener Zeitung

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