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#1 U79 droht das Aus: Nahverkehr vor dem Kollaps? von Alexander Schmitz 03.11.2011 09:04

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Mit großzügigen Zuschüssen hat der Bund den Aufbau des Stadt- und U-Bahn-Netzes in NRW finanziert. Aber an Rücklagen für die Sanierung hat in den Boomzeiten, in denen die Bahnen gebaut wurden, niemand gedacht. Jetzt stehen zahlreiche Strecken in der Region vor dem Aus.

Dass man in NRW auch ohne Auto gut leben kann, liegt an dem dichten Bus- und Bahnsystem im Land: 2,4 Milliarden Fahrgäste legen in Deutschlands bevölkerungsreichstem Bundesland jährlich 21 Milliarden Kilometer mit öffentlichen Verkehrsmitteln zurück – 60 Prozent mehr als noch vor 20 Jahren. Jetzt droht der Erfolgsgeschichte ein jähes Ende: "Dutzende von wichtigen Stadt- und U-Bahn-Strecken im Land stehen vor dem Aus", sagt Dirk Biesenbach, NRW-Chef des Verbandes Deutscher Verkehrsunternehmen. Eine davon ist die U79, die zwischen Düsseldorf und Duisburg verkehrt.

Den Grund für den Niedergang der Stadtbahnen können die Fahrgäste überall im Land studieren: An den Stationen bröckelt der Beton, Rolltreppen stehen still, die Züge holpern über veraltete Gleise. Hinzu kommt der für Laien unsichtbare Renovierungsbedarf bei der Signaltechnik und den Tunneln. Der bundesweite Investitionsstau wird in einer gemeinsamen Studie von 13 Bundesländern, dem Deutschen Städtetag und der Verkehrsunternehmen auf 2,35 Milliarden Euro beziffert. Allein die Stadtbahnen in NRW brauchen laut Biesenbach in den nächsten fünf Jahren 800 Millionen Euro. Geld, das niemand hat.

Biesenbach nennt neben der U79 von Düsseldorf nach Duisburg ein weiteres prominentes Beispiel für eine Strecke, die zu sterben droht: Die U18 zwischen dem Ruhrschnellweg und der Mülheimer Stadtgrenze in Essen. In beiden Fällen sei "der Sanierungsbedarf inzwischen so groß, dass der Betrieb ohne zeitnahe Millionen-Investitionen eingestellt werden muss".

Auch das NRW-Verkehrsministerium ist alarmiert. "Das Problem stellt sich tatsächlich, die Verkehrsminister der Länder befassen sich damit", sagt Staatssekretär Horst Becker (Grüne). Biesenbachs Akten dokumentieren Dutzende brisanter Fälle im ganzen Land. Aber über die darf er nicht sprechen, wenn er sich nicht mit Hunderten von Kommunalpolitikern anlegen will. Die verlangen hinter den Kulissen zwar Geld für die Sanierung, wollen "ihre" Bahnen aber öffentlich nicht als Sanierungsfall dargestellt wissen. Eine eigenwillige Kommunikationspolitik, die im Kampf um frische Mittel für die Bahnen viel Schlagkraft kostet.

Jahrelang konnten die Betreiber der Stadt- und U-Bahnen den Kollaps des Nahverkehrs mit dem Stopfen der schlimmsten Investitionslöcher verhindern. In der Regel auf Pump: Zwölf Millionen Euro pro Jahr muss etwa die Düsseldorfer Rheinbahn pro Jahr in den Ersatz ihres Schienennetzes investieren, obwohl sie nur 180 Millionen Euro pro Jahr umsetzt. "Die Verschuldung der Rheinbahn von aktuell 250 Millionen Euro geht stramm in Richtung 400 Millionen Euro", sagt Biesenbach, der zugleich auch Chef der Düsseldorfer Rheinbahn ist.

Die Wurzel des Übels ist ein Fehler im System. Die meisten der aufwändigen Stadt- und U-Bahnen wurden in den boomenden 1960er- und 1970er-Jahren gebaut. Geld spielte damals kaum eine Rolle: Der Bund beteiligte sich großzügig an den Baukosten und finanzierte sie nicht selten sogar zu 90 Prozent. Entsprechend großzügig planten die Kommunen ihre Bahnsysteme – so dichte Schienennetze wie in NRW kennt man sonst nur von Weltmetropolen wie London oder New York. Aber: Dass große Bahnsysteme auch mit hohen Instandhaltungskosten verbunden sind, wollte damals niemand sehen. "Man hat einfach vergessen, dafür Rückstellungen zu bilden", sagt Biesenbach, "und jetzt droht die Bombe zu platzen".

Die Verkehrsbetriebe selbst hatten in der Vergangenheit keine Chance, die notwendigen Rücklagen selbst zu bilden: Aus politischen Gründen sind die Ticketpreise in der Regel so niedrig, dass die meisten Betriebe Verluste erwirtschaften. Und machen sie doch einmal Gewinn, werden die Überschüsse an die Städte abgeführt. Der Chef der Essener Verkehrs-AG, Horst Zierold, machte deshalb unlängst bei einem Vortrag in Berlin mit unpopulären Vorschlägen auf sich aufmerksam: Für das öffentliche Personennahverkehrs-System (ÖPNV) schlug er eine "ÖPNV-Umweltabgabe" sowie eine finanzielle Zwangsbeteiligung auch von indirekten Profiteuren des ÖPNV wie etwa Arbeitgebern vor.

Folkert Kiepe, Verkehrsexperte beim Deutschen Städtetag, sieht den Bund in der Pflicht: "Der Bund muss den Sanierungsstau beseitigen", so Kiepe, "wir verhandeln gerade mit den Verkehrsministern der Länder eine entsprechende Forderung." Die schlimmsten Schwachstellen bei den Bahn-Systemen seien die Tunnel und die Brücken. "Wenn da nicht bald großflächig saniert wird, stehen Deutschland massenhafte Stilllegungen von Straßen- und U-Bahnlinien bevor."

Quelle: Rheinische Post

#2 RE: U79 droht das Aus: Nahverkehr vor dem Kollaps? von Andreas Beeck 03.11.2011 09:40

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Na dann weiss ich schon, wo das endet. U78/79 endet Messe, Duisburg stellt komplett ein.
Aber das wäre zu verkraften...

#3 RE: U79 droht das Aus: Nahverkehr vor dem Kollaps? von Julian Zimmermann 03.11.2011 09:46

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Und Ich sehe Künstleratelliers in den U-Bahnschächten und die D, K , 705, 711, 714, 717 und 718 wieder auf alter Trasse verkehren

#4 RE: U79 droht das Aus: Nahverkehr vor dem Kollaps? von Alexander Schmitz 03.11.2011 09:47

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Zitat von Andreas Beeck
Na dann weiss ich schon, wo das endet. U78/79 endet Messe



Vermutlich dann doch eher in Kaiserswerth oder Wittlaer...

#5 RE: U79 droht das Aus: Nahverkehr vor dem Kollaps? von Philipp K. 03.11.2011 09:48

Traurig,wie die Situation aussieht..

#6 RE: U79 droht das Aus: Nahverkehr vor dem Kollaps? von Patrick A. 03.11.2011 10:29

Deutschland schwimmt doch augenscheinlich im Geld!
Wir haben so viel Geld, dass wir den Griechen zweistellige Milliardensummen schenken, also dürfte das hier doch eigentlich ein Klacks sein, oder?!

#7 RE: U79 droht das Aus: Nahverkehr vor dem Kollaps? von Alexander Schmitz 03.11.2011 10:44

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Vielleicht sollte die Bundesrepublik auch mehr in Bildung investieren - dann wüssten vielleicht mehr Menschen, dass "wir" den Griechen derzeit gar nichts schenken. Das ist traurig!

#8 RE: U79 droht das Aus: Nahverkehr vor dem Kollaps? von Marc S. 03.11.2011 10:56

@ Alexander: Genau das dachte ich auch.

#9 RE: U79 droht das Aus: Nahverkehr vor dem Kollaps? von Patrick A. 03.11.2011 11:12

Die Sache ist zwar derzeit noch nicht beschlossen, aber über kurz oder lang wird Deutschland wohl in den nächsten fünf Jahren nicht dadrum rum kommen, hohe Summen in die Euro-Rettung zu investieren, wenn unseren Abgeordneten etwas an der derzeitigen Währung liegt...

#10 RE: U79 droht das Aus: Nahverkehr vor dem Kollaps? von Markus Ü. 03.11.2011 13:23

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Deutschland MUSS den Euro retten, wir sind eine Exportnation. Der wirtschaftliche Schaden wäre höher, wenn die Griechen die Drachme wieder einführen. Dies liegt nicht zuletzt am Dominoeffekt, der bewirkt, dass nach einer Insolvenz Griechenlands anschließend Italien und Portugal die nächsten Kandidaten sind.
Zum Thema: Traurig, wie es bei uns mit dem öffentlichen Verkehr aussieht. Immer mehr fühle ich mich bestätigt darin, dass wir eine sehr einflussreiche Auto- und Straßenlobby haben.

#11 RE: U79 droht das Aus: Nahverkehr vor dem Kollaps? von Felix S. 03.11.2011 14:18

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Zitat
Vermutlich dann doch eher in Kaiserswerth oder Wittlaer...



Na dann bin ich mal gespannt wie sich die B-Wagen unter der Woche in das enge Stumpfgleis in Wittlaer drängeln.

#12 RE: U79 droht das Aus: Nahverkehr vor dem Kollaps? von Alexander Schmitz 03.11.2011 14:45

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Wo wäre denn das Problem? Entweder würde umgebaut oder der ankommende Zug wartet am Ankunftsgleis darauf, dass der Kurs vorher das Wendegleis verlassen hat. Wo wäre da das Problem?

#13 RE: U79 droht das Aus: Nahverkehr vor dem Kollaps? von Felix S. 03.11.2011 14:56

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Ja, würde theoretisch doch kein Problem darstellen, weil die Bahnen bei hohen Verspätungen z.B. an der Kalkumer Schlossallee Kopf machen könnten,
aber dann wäre an einen Umbau der Kehranlage Wittlaer eher zu denken.

#14 RE: U79 droht das Aus: Nahverkehr vor dem Kollaps? von Marc S. 03.11.2011 15:38

Ich glaub, diese ganzen Überlegungen sind eher Säbelrasseln um Druck aufs Land und den Bund auszuüben. Wenn, dann halte ich eher den Gleiswechsel Froschenteich für möglich, denn immerhin sind gerade frisch Fördermittel für den dortigen Hochbahnsteig, die Überführung und die neue Fahrleitung geflossen. Zumindest, bis die Zweckbindung abgelaufen sind. Aber darüber brauchen wir uns keine Gedanken machen, die U79 wird in den nächsten 50 Jahren garantiert nicht stillgelegt. Wenn, dann wird vielleicht der Linienverlauf mal geändert oder abschnittsweise werden andere Linien Teile der Strecke befahren, aber ich halte es für ausgeschlossen, dass auch nur ein Meter seinen Zweck verliert.

#15 RE: U79 droht das Aus: Nahverkehr vor dem Kollaps? von Alexander Schmitz 03.11.2011 15:44

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Und selbst auf Duisburger Seite wird investiert (Gleise, Haltestellen)...

#16 RE: U79 droht das Aus: Nahverkehr vor dem Kollaps? von Christian Kapteina 03.11.2011 18:19

Kann ich mir auch nicht so wirklich vorstellen, dass die 79 nicht mehr verkehren soll. Da glaube ich schon eher, dass der vor wenigen Jahren eingeführte, nicht lange währende, 30 Minuten-Takt wieder eingeführt wird.

#17 Nahverkehr vor dem Kollaps? Dtl. im Kollaps! von Markus F. 03.11.2011 19:19

> Die verlangen hinter den Kulissen zwar Geld für die Sanierung, wollen "ihre" Bahnen aber öffentlich nicht als Sanierungsfall dargestellt wissen.

Hört sich nach Prestigedenken der Politfritzen an....wie üblich an der Realität vorbei! Von solchen Leuten in den Magisträten ist nichts zu erwarten.

Zitat von Markus Ü.
Immer mehr fühle ich mich bestätigt darin, dass wir eine sehr einflussreiche Auto- und Straßenlobby haben.


Ganz Deutschland ist eine Lobbykratur (i.e. Firmenherrschaft) geworden. Darum geht ich auch nicht mehr wählen...

#18 RE: Nahverkehr vor dem Kollaps? Dtl. im Kollaps! von Felix S. 04.11.2011 08:11

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Zitat von Christian Kapteina
Kann ich mir auch nicht so wirklich vorstellen, dass die 79 nicht mehr verkehren soll. Da glaube ich schon eher, dass der vor wenigen Jahren eingeführte, nicht lange währende, 30 Minuten-Takt wieder eingeführt wird.



Dann könnte man die 79 alle 15 Minuten bis Wittlaer fahren lassen und alle 15 Minuten bis Meiderich. Samstags ist es ja ähnlich, nur dass jede zweite in Duissern endet.
Aber an solche Lösungen denken die nicht.

#19 RE: Nahverkehr vor dem Kollaps? Dtl. im Kollaps! von Philipp Wilkens 04.11.2011 09:10

Es gab ja mal bereits zwischenzeitlich nur halbstündlich die durchgehende U79 zwiachen Duisburg und Düsseldorf.
Allerdings mit 10-Minuten-Takt Mo-Fr auf Düsseldorfer Stadtgebiet,
der auch weiterhin erhalten bleiben sollte.

#20 RE: Nahverkehr vor dem Kollaps? Dtl. im Kollaps! von Christian Kapteina 04.11.2011 14:30

Alle 10 bis Kalkumer Schloßallee, 10/20 bis Wittlaer und 30 bis Oberhausen Süd

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