#1 Netz Westliches Münsterland: Unterzeichnung des Verkehrsvertrages in Enschede + Zukunft der Strecke Gronau - Enschede von Marc Averbeck 18.11.2011 21:21

Netz Westliches Münsterland: Unterzeichnung des Verkehrsvertrages in Enschede

Im Rahmen der Feierlichkeiten zum 10 jährigen Bestehen der grenzüberschreitenden Bahnstrecke Gronau - Enschede erfolgte am 18.11.2011 im Wilminktheater in Enschede die öffentliche Unterzeichnung des neuen Verkehrsvertrages für die Linien der RB 51 Dortmund - Coesfeld - Enschede, RB 63 Münster - Coesfeld, und RB 64 Münster - Steinfurt - Enschede durch die drei niederländischen Aufgabenträger - Gemeente Enschede, Regio Twente, Provincie Overijssel - sowie den Verkehrsverbund Rhein-Ruhr, den Zweckverband Nahverkehr Westfalen-Lippe und DB Regio NRW. Der Betrieb auf den drei Linien wird ab dem 11. Dezember 2011 durch die DB Regio NRW erfolgen.

Die Linien der RB 63 und RB 64 werden bereits heute von der DB Regio NRW betrieben. Die RB 51 wird noch bis zum 10. Dezember 2011 von der Prignitzer Eisenbahn gefahren. Deren Vertrag läuft nun aus.

Das Leistungsvolumen der drei Linien umfasst auf rd. 216 Streckenkilometern, mit knapp 3 Mio. Zug-Kilometer jährlich.

Bilder hier drunter:
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Zehn Jahre grenzenloser Nahverkehr zwischen Gronau und Enschede - eine Erfolgsstory


Ende September 1981 fuhr der letzte planmäßige Reisezug zwischen Gronau und Enschede. Gut 20 Jahre später, am 18. November 2001, wurde die grenzüberschreitende Strecke im Personenverkehr reaktiviert. Ein starker gemeinsamer Wille und eine Vielzahl von binationalen Koordinations- und Kooperationsleistungen waren dazu notwendig - schließlich gab es zwischen den Übergangspunkten Weener/Nieuweschans im äußersten Nordwesten Niedersachsens und Kaldenkirchen/Venlo am Niederrhein keine Möglichkeit, die deutsch-niederländische Grenze mit Regionalzügen zu überqueren. Und Erfahrungen mit der Reaktivierung grenzüberschreitender Regionalstrecken gab es so gut wie nicht.
Heute - nahezu exakt zehn Jahre nach der Reaktivierung - lässt sich bilanzieren, dass sich der starke Wille und die Ausdauer auf deutscher und niederländischer Seite ausgezahlt haben: Beidseits der Grenze wird die 9 Kilometer lange Strecke außerordentlich gut angenommen.

Der lange Weg zur Reaktivierung
Das entscheidende Datum war genau drei Jahre vor dem Tag der Reaktivierung der 18. November 1998: Im Euregio-Tagungszentrum in Glanerbrug unterzeichneten Vertreter des Zweckverbandes SPNV Münsterland, der niederländischen Provinz Overijssel und der Gemeinde Enschede die öffentlich-rechtliche Vereinbarung zur Wiederaufnahme des Schienenpersonennahverkehrs zwischen Gronau und Enschede.
Die Planungen für die Wiederinbetriebnahme der eingleisigen Strecke stützten sich auf ein Gutachten aus dem Jahr 1996, das Reisendenzahlen von anfänglich ca. 2000 Personen täglich prognostizierte. Eine kleine Arbeitsgruppe bestehend aus den Vertretern der genannten Vertragsunterzeichner sowie der Euregio, des Kreises Borken, der Regio Twente und der Schienenverbund Münsterland GmbH (heute Zweckverband SPNV Münsterland) hatte dieses Gutachten in konkrete Planungen umgesetzt, Gespräche mit Zuschussgebern und den Infrastruktureigentümern geführt und nicht zuletzt die Ende 1998 paraphierte Vereinbarung erarbeitet.

Nachdem bereits im Februar 2000 auf deutscher Seite umfangreiche Freischneide- und Vermessungsarbeiten beobachtet werden konnten, begannen am 26.02.2001 auf der niederländischen Seite offiziell die Bauarbeiten. Auf deutscher Seite fand der symbolische der erste Spatenstich am 06.04.2001 im Bahnhofsbereich Gronau statt.
Grundlegend saniert wurde die gesamte Infrastruktur der seit 1985 nicht mehr befahrenen Strecke, auf der bis Anfang 2000 noch wuchernde Pflanzen und meterhohe Birken wuchsen. Neben dem Oberbau und Signalen sowie den sieben Bahnübergängen war auch die Erneuerung der Brücke über den Grenzfluss Glane notwendig.
Zudem mussten die Infrastruktur und die kommunalen Zugangswege für die beiden neuen im Auftrag des niederländischen Infrastrukturbetreibers Railinfrabeheer Regio Noordoost errichteten Haltepunkte Enschede-De Eschmarke und Glanerbrug (direkt an der Grenze) geschaffen werden. In Glanerbrug wurde - entgegen ersten Planungen - keine Kreuzungsstelle eingerichtet. Auch ist in Enschede ein Übergang auf das niederländische Streckennetz bis heute nicht möglich, da das Streckengleis im Bahnhof Enschede an einem direkt neben der Stadtverwaltung neu errichteten Bahnsteig (Gleis 5) stumpf am Prellbock endet. Betrieben wurde die Strecke zunächst vom DB-Fahrdienstleiter Gronau „Gf" im Stichstreckenblock, seit Aufschaltung der Strecke (Münster - ) Gronau - Enschede auf das ESTW Coesfeld im Herbst 2008 und der damit verbundenen Auflassung des Gronauer Stellwerks geschieht dies vom dortigen Fahrdienstleiter „Cf".

Die Gesamtinvestitionskosten beliefen sich auf rund 13,5 Mio. EUR. Davon übernahm die Europäische Union über das INTERREG-II-Programm der Euregio 2 Mio. EUR. Auf deutscher Seite beteiligten sich das Land Nordrhein-Westfalen mit rund 2,34 Mio. EUR, der Bund und die DB Netz AG mit weiteren 0,41 Mio. EUR.
In den Niederlanden übernahm das zuständige nationale Ministerie van Verkeer en Waterstraat rund 7 Mio. EUR. Die Provincie Overijssel, die Gemeente Enschede und die Regio Twente beteiligten sich mit insgesamt 1,85 Mio. EUR an den Reaktivierungskosten.

Gutes Angebot: Zwei Linien - halbstündliche Verbindungen
Das Verkehrsangebot zwischen Gronau und Enschede konnte sich von Anfang an sehen lassen: Zwei Linien und alle 30 Minuten ein Zug - nicht nur an den Wochentagen, sondern gerade auch an den nachfragestarken Wochenenden - vom frühen Morgen bis zum späten Abend; das Fahrplanangebot war und ist ein wesentlicher Eckstein des Erfolgs der Strecke. Betrieblich interessant war zunächst die Tatsache, dass die Strecke von zwei Eisenbahnverkehrsunternehmen bedient wurde: Der Betrieb auf der Strecke Münster - Gronau - Enschede (RB 64, Euregio-Bahn) wurde 1999 vom Zweckverband SPNV Münsterland ausgeschrieben. Als Ergebnis des Wettbewerbsverfahrens erhielt die DB-Tochter DB Regio NRW GmbH vom Zweckverband und den niederländischen Aufgabenträgern den Zuschlag. Den Verkehr auf der Strecke Dortmund - Lünen - Coesfeld - Gronau - Enschede (RB 51, Westmünsterland-Bahn) betrieb seit Dezember 2004 die Prignitzer Eisenbahn GmbH (PEG). Die heutige Netinera-Tochter (ein Unternehmen der italienischen FS-Gruppe) konnte die Ausschreibung der Zweckverbände SPNV Münsterland, SPNV Ruhr-Lippe und Verkehrsverbund Rhein-Ruhr sowie der Provincie Overijssel und der Gemeente Enschede für sich entscheiden und bediente die Linie bis Dezember 2011.
Nach erneuter Ausschreibung der Strecken RB 51, 63 (Baumberge-Bahn Münster - Coesfeld) und 64 als „Netz Westliches Münsterland" entschieden die beteiligten Aufgabenträger im April 2010, den Betrieb auf allen drei Linien zum Fahrplanwechsel am 11.12.2011 an die Deutsche Bahn-Tochter DB Regio NRW zu vergeben.
Der Verkehrsvertrag, der am 18.11.2011 in Enschede im Rahmen einer Feierstunde unterschrieben wird, hat eine Laufzeit von 15 Jahren und sieht vor, dass zwischen Gronau und Enschede weiterhin durchgängig ein Halbstundentakt gefahren wird.
Mit dem Fahrplanwechsel am 11.12.2011 bedient somit DB Regio NRW über den Verkehrsbetrieb Westfälische Regionallinien beide Linien. Eingesetzt werden weiterhin moderne, aber redesignte Triebwagen der Baureihe 643.

Die Tarifierung im grenzüberschreitenden Verkehr erfolgt weiterhin unkompliziert. Die Gesamtstrecke, also auch die niederländischen Stationen, sind in den Münsterlandtarif der Verkehrsgemeinschaft Münsterland (VGM) eingebunden. Mit dem Fahrplanwechsel im Dezember 2011 können Fahrgäste Fahrkarten bequem an den Automaten direkt in den Zügen der DB Regio erwerben.

Hohe Fahrgastnachfrage - besonders an Samstagen
Das außergewöhnlich dichte Zugangebot zwischen den beiden Grenzstädten hat zu einer deutlichen Nachfragesteigerung geführt. Bereits im ersten Jahr (2002) nutzten rund 1000 Fahrgäste täglich (Montag bis Freitag) die neue Verbindung, 2006 waren es bereits 1800 Fahrgäste, im Jahr 2010 schon gut 2000 - Tendenz weiterhin steigend. An Sonn- und Feiertagen liegen die Werte leicht darunter (2002: 900 Fahrgäste; 2010: 1400 Fahrgäste). Beachtlich ist hingegen die Nachfrage an Samstagen. Diese betrug bereits im Jahre 2002 im Durchschnitt 1800 Fahrgäste pro Tag, inzwischen sind es weit über 2500 Fahrgäste. Eine der Nachfragespitzen ist an den beiden Markttagen in Enschede am Dienstag und am Samstag zu verzeichnen. Ebenso nutzen am Samstag viele Niederländer das Zugangebot in Gegenrichtung für einen Einkaufsbummel in Münster oder für einen Ausflug ins Westmünsterland. Eine besonders hohe Fahrgastnachfrage ist alljährlich an den Advents-Wochenenden festzustellen, wenn die bekannten Weihnachtsmärkte in Münster und Dortmund attraktive Ziele auch für die Niederländer darstellen.

Grenzenloses Europa - zwischen Gronau und Enschede ein Stück Realität
In den Zügen ist das grenzüberschreitende Fahren heute selbstverständlich. So werden Fahrgäste auf den Linien RB 51 und RB 64 sowohl in deutscher wie auch in niederländischer Sprache über die Stationen informiert. Freundliches Zugbegleitpersonal steht für Fragen gerne zur Verfügung.
Dennoch gibt es auch kleinere Abstimmungsprobleme: Über viele Jahre gab es beispielsweise Kompetenzschwierigkeiten hinsichtlich der Zuständigkeit bei der Bestückung der Informationsvitrinen in Enschede, Enschede-De Eschmarke und Glanerbrug mit DB-Aushangfahrplänen oder aktuellen Informationen zu Baumaßnahmen oder Sonderverkehren. Hier sind Aufgabenträger, DB Regio und der niederländische Netzbetreiber ProRail jedoch auf einem guten Weg, diese Probleme zu lösen. Im Sinne der Fahrgäste wäre es sicherlich auch, wenn die Züge der DB auf den neuen elektronischen Fahrgastinformationssystemen auf den Bahnsteigen in Enschede mit angezeigt würden.
Für 2013 ist ein großflächiger Umbau des Bahnhofs Enschede vorgesehen. Unter anderem ist geplant, dass die aus Deutschland kommenden Züge der Strecken Münster - Enschede und Dortmund - Enschede dann nicht mehr auf Gleis 5, sondern auf Gleis 4 ein- und ausfahren. Für die Fahrgäste würde dann der der umständliche Fußweg über den Bahnübergang auf die andere Bahnhofsseite entfallen.

Am 19. November kostenloses Fahren zwischen Gronau und Enschede
Gefeiert wird das zehnjährige Jubiläum natürlich auch: Für den 19. November laden die Aufgabenträger sowie die Verkehrsunternehmen zum kostenlosen Fahren in allen Zügen zwischen Gronau und Enschede ein.

Die Strecke Gronau - Enschede - ein Blick zurück
Im Jahre 1886 wurde auf holländischer Seite der Streckenabschnitt Enschede - Reichsgrenze Glanerbeek (heute Glanerbrug) als Verlängerung der bereits seit 1866 bestehenden Strecke Hengelo - Enschede in Betrieb genommen. Ziel war bereits damals der Anschluss an das Preußische Schienennetz. Jedoch erst knapp 10 Jahre später, am 1.10.1875, wurde der grenzüberschreitende Verkehr durch die Verlängerung der Münster-Enscheder-Eisenbahn über Gronau hinaus nach Glanerbeek aufgenommen. Die Strecke stand allerdings stets im Schatten der nur 10 Kilometer nördlich verlaufenden Almelo-Salzbergener-Eisenbahn (Übergang Bad Bentheim); daran änderten auch zeitweilig bestehende Zuglangläufe wie Amsterdam - Enschede - Gronau - Münster oder Enschede - Gronau - Münster - Warendorf - Bad Pyrmont nichts. Um den lokalen Verkehr anzukurbeln, wurden auf niederländischer Seite im Stadtgebiet Enschede im Jahre 1927 die Haltepunkte Hengeloschestraat und Oldenzaalschestraat eingerichtet. Beide Haltepunkte wurden aber - vermutlich aufgrund des geringen Haltestellenabstandes - nie in dem gewünschtem Maße angenommen und mit der 1938 erfolgten kriegsbedingten Umstellung von Triebwagen- auf Dampfzugverkehr im Jahre 1940 bereits wieder aufgegeben. Ebenfalls mangels Nachfrage aufgegeben wurden im Jahre 1952 die sieben Jahre zuvor neu eingerichteten Haltepunkte Dolphia Dorp und Zwarte Weg auf niederländischer Seite.

Der Reisezugverkehr zwischen Gronau und Enschede wurde ab Ende der 60er Jahre immer weiter ausgedünnt. Das „Aus" für die Strecke kam am 26. September 1981, an dem letztmalig eine Triebwagengarnitur zwischen den beiden Grenzstädten pendelte.
Am 15.06.1985 wurde die offiziell nie stillgelegte Strecke dann nochmals für einen Tag planmäßig von Personenzügen befahren: Die Initiative BOREG („Bus op Rails Gronau - Enschede") wollte schon damals für eine Wiederaufnahme des Personenverkehrs werben und setzte an jenem Tag einen von den britischen Firmen BRE (Britisch Rail Engineering Ltd.) und Leyland Bus entwickelten Schienenbus ein. Weitere Aktivitäten der Initiative blieben in der Folgezeit jedoch aus.



Auf den drei Linien verkehren die Züge im Stundentakt. In den Hauptverkehrszeiten insbesondere in Richtung Münster (Westf) wird dieser zu einem Halbstundentakt bzw. zwischen Lünen und Dortmund zusammen mit der RB 50 zu einem 20-Minuten-Takt verdichtet. Auf dem grenzüberschreitenden Streckenabschnitt (Gronau - Enschede) wird durchgängig ein Halbstundentakt gefahren.

Die DB Regio NRW wird 34 Fahrzeuge der Baureihe 643, die umfangreich technisch und optisch erneuert werden, so dass für die Fahrgäste neuwertige Fahrzeuge angeboten werden können. Alle Fahrzeuge sind mit Fahrkartenautomaten im Zug, behindertenfreundlichen Toiletten, Mehrzweckräumen für Fahrradmitnahme und Videoüberwachung ausgestattet. Nach 19 Uhr werden alle Züge mit Servicepersonal besetzt sein, tagsüber ca. jeder dritte Zug.

An der Jubiläumsfeier zum zehnjährigen Bestehen der Strecke Gronau - Enschede und der Vertragsunterzeichnung in Enschede nahmen zahlreiche Gäste aus den Bereichen Verkehrsunternehmen, Bestellerorganisationen und Verwaltung sowie Medienvertreter teil. Im Rahmen der Redebeiträge wurden auch Zukunftsperspektiven für die 9 Kilometer lange Strecke aufgezeigt. So wird die Verdichtung des Verkehrs auf der Strecke Münster - Enschede auf einen Halbstundentakt ebenso gewünscht wie die Einrichtung eines Kreuzungsgleises in Glanerbrug und die verkürzung der heutigen Standzeiten der Züge in Gronau. Auch Perspektiven zur Weiterführung der Verkehrs von Münster über Enschede hinaus in das niederländische Streckennetz sollen entwickelt werden.

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Gruß Marc

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