#1 Siegstrecke - Bahnverkehr soll besser werden von Andreas Beeck 01.11.2012 18:50

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Zitat von http://www.ksta.de/aus-dem-kreis/siegstr...8,20749210.html

SIEGSTRECKE
Bahnverkehr soll besser werden


30.000 Menschen täglich fahren mit den Zügen auf der Siegtalstrecke. Das Angebot ist offenbar attraktiv, doch über mangelnde Zuverlässigkeit und Komfort gibt es permanent Klagen. Der VRS hat Maßnahmen zur Verbesserung angekündigt. Von Jürgen Röhrig

30.000 Menschen täglich fahren mit den Zügen auf der Siegtalstrecke. Der hohe, immer noch steigende Zuspruch zum Schienenverkehr zwischen Siegen und Köln und weiter nach Aachen ist ein Indiz dafür, dass dieses Angebot sehr attraktiv ist. Im Prinzip jedenfalls, wenn alles klappt. Über die Zuverlässigkeit und den Komfort von Regional-Express 9 und S-Bahn 12 indes gibt es permanent Klagen.

Auch gestern wieder: Im morgendlichen Berufsverkehr fiel der Doppelstockzug mit 800 Sitzplätzen, der um 6.49 Uhr in Windeck-Schladern Richtung Köln abfahren sollte, komplett aus. Grund dafür war ein liegen gebliebener Zug bei Niederschelden. Erst drei Stunden später hatte sich der Verkehr normalisiert.

Aber selbst bei fahrplanmäßiger Pünktlichkeit beklagen Pendler, es gebe zu wenig Sitzplätze in den neuen „Talent-Zügen“. „Von Talent keine Spur“, findet „Rhein-Sieg-Anzeiger“-Leser Ronald Feulner, der täglich auf der Strecke unterwegs ist. Er hat im Oktober beobachtet, dass sowohl um 17.23 Uhr als auch um 18.23 Uhr am Kölner Hauptbahnhof nur ein einzelner „Talent“ fuhr, der bei weitem den Andrang der Pendler nicht bewältigen konnte. Dass die S-Bahn nach Au/Sieg um 17.31 Uhr dann ebenfalls nur aus einem Zugteil bestand, habe die Lage zusätzlich verschärft.

Diese Erlebnisse können andere Bahnfahrer bestätigen. Es kommt häufiger vor, dass ausgerechnet im Berufsverkehr die DB weniger Plätze in Zügen anbietet, als mit dem Verkehrsverbund Rhein-Sieg (VRS) vereinbart. Dessen Pressesprecher Holger Klein bestätigte auf Anfrage, dass um 17.23 Uhr und 18.23 Uhr ab Köln zwei je vierteilige Talent vorgesehen sind, die zusammen 498 Sitzplätze bieten. Mehr als zwei Traktionen könne der neue Zug auf der Siegstrecke nicht haben, weil er dann nicht mehr in manche Bahnhöfe passt. Da ist es offenbar einfacher, mit den herkömmlichen Doppelstöckern für ausreichend Platz zu sorgen: bis zu 600 Plätze in den alten, 800 Sitzplätze im neueren Doppelstockzug mit dem blauem Interieur, der um 16.23 Uhr in Köln startet.

Den empfinden Pendler mittlerweile als Luxuszug, weil die Sitze bequemer und nicht so eng sind wie im Talent. Dieser moderne spurtstarke Zug hat nach täglicher Erfahrung vieler Kunden noch einen anderen Nachteil: Die Prozedur des Ein- und Aussteigens dauert mangels Platz in den Gängen und vor den Türen länger, weil es nur im Gänsemarsch vorangeht, der noch dazu gebremst wird, wenn die Notsitze im Türbereich besetzt sind. Solche Szenen erlebt man in den älteren Zugmodellen nicht.

Für Verspätungen und Ausfälle müsse die DB an ihrem Auftraggeber VRS Strafe zahlen, so Holger Klein. Er berichtete von einer neuen Initiative der Unternehmen, die möglichst bald Verbesserungen bringen soll: „Wir haben mit der Deutschen Bahn eine neue große Fahrgastzählung vereinbart. Sie wird in den nächsten Wochen stattfinden. Und wir arbeiten jetzt schon auf eine Verstärkung der Kapazitäten hin“ – was möglichst zum Fahrplanwechsel am 9. Dezember bereits klappen soll.

Auch 2007 vor der Ausschreibung für die Talent-Züge war gezählt worden. Man hatte eine Steigerungsrate eingerechnet und noch einmal 20 Prozent dazu addiert, um die neuen Kapazitäten nicht zu knapp zu gestalten. Augenscheinlich hat die Realität diese Planungen überholt – weil die steigenden Benzinpreise mehr Menschen auf die Bahn bringen, weil neue Wohngebiete an der Strecke entstanden sind. Zudem lässt die DB nicht immer das rollen, was bestellt ist.

Dass um 17.59 Uhr der „Verstärkerzug“ ab Köln eingespart wurde, dass trotz der Forderungen aus der Bevölkerung und von Politikern nach wie vor stündlich nur eine S-Bahn je Richtung zwischen Hennef und Au fährt – beides müsste nach Meinung vieler Kunden wieder auf den Prüfstand.
Viel Diskussionsstoff für am besten angenehme Bahnfahrten.



Quelle: Kölner Stadtanzeiger

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