#1 Beinahe-Zugunglück in Mainz - Bahn-Mitarbeiter unter Verdacht von Marcel Hilgers 04.08.2013 14:14

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Zitat von http://www.fr-online.de/mainz/beinahe-zu...0,23897932.html
BEINAHE-ZUGUNGLÜCK MAINZ
Bahn-Mitarbeiter unter Verdacht

Nach dem Beinahe-Zugunglück in Mainz hat die Staatsanwaltschaft ein Strafverfahren gegen Mitarbeiter der Bahn eingeleitet. Dabei gehen die Ermittler Hinweisen nach, wonach im Stellwerk am Mainzer Hauptbahnhof Personalnot herrscht und nichtqualifizierte Kräfte eingesetzt werden.


MAINZ. – Nur knapp sind Fahrgäste der S-Bahn-Linie 8 am Donnerstag im Mainzer Hauptbahnhof einem schweren Zugunglück entkommen. Nach dem Beinah-Zusammenstoß hat die Staatsanwaltschaft Mainz am Freitag ein Strafverfahren gegen Mitarbeiter der Deutschen Bahn (DB) eingeleitet. Gegen wie viele Personen ermittelt werde, sei noch unklar, sagte der Sprecher der Bundespolizei in Koblenz, Reza Ahmari, der Frankfurter Rundschau. Möglich sei, dass ein Lokführer oder ein Fahrdienstleiter verantwortlich gemacht werden könne. Auch sei nicht auszuschließen, dass menschliches Versagen eine Rolle spielte. Die Bundespolizei vernimmt derzeit in Zusammenarbeit mit dem Eisenbahnbundesamt Zeugen, wertet Fahrtenschreiber aus sowie den Funkverkehr zwischen Lokführer und Fahrdienstleiter. Die Ermittler gehen zudem Hinweisen nach, denen zufolge im Stellwerk des Hauptbahnhofs Personalnot herrscht und nichtqualifizierte Kräfte eingesetzt werden.

Bahn informiert Presse nicht
Der Vorfall am Mainzer Hauptbahnhof ereignete sich laut Ahmari am Donnerstag gegen 14.30 Uhr. Die Deutsche Bahn (DB) hatte die Presse nicht darüber informiert. Beteiligt waren zwei Züge der S-Bahn-Linie 8. Einer war gerade in Richtung Frankfurt/Offenbach losgefahren, als ihm der andere auf dem selben Gleis entgegenkam. Er leitete eine Zwangbremsung ein, so dass die beiden Bahnen auf einer Distanz von lediglich eineinhalb Metern zum Stehen kamen. Menschen kamen nicht zu Schaden. „Es war sehr knapp“, sagte der Sprecher.
Die DB bestätigte der FR am Freitag den Beinahe-Zusammenstoß, wollte sich mit Hinweis auf die laufenden Ermittlungen nicht näher äußern. Am Donnerstag hatte das Unternehmen um 17.45 Uhr lediglich „eine Störung an der Signaltechnik im Bereich des Hauptbahnhofes Mainz“ gemeldet. Um 20 Uhr verschickte es eine Mitteilung in der es hieß, die Probleme seien behoben. Vereinzelt könne es noch zu Verspätungen kommen.

Ob ein Zusammenhang zwischen den Störungen und dem Beinahe-Zusammenstoß besteht, ist noch nicht aufgeklärt. Doch dass die DB Netz Personalprobleme hat, bestätigt einer Mitteilung des Zweckverband Schienenpersonennahverkehr Rheinland-Pfalz Süd. „Aufgrund personeller Engpässe bezüglich der Stellwerksbesetzung im Mainzer Hauptbahnhof“ werde es am kommenden Wochenende, eventuell noch Montag früh zu „erheblichen Einschränkungen des Zugverkehrs in Mainz und Umgebung“ kommen, teilte der für den Regionalverkehr zuständige Verband mit.

„Bankrotterklärung der DB Netz AG“
Direktor Michael Heilmann sprach von „einer Bankrotterklärung der bundeseigenen DB Netz AG, die offenkundig durch langfristige Managementfehler verursacht wird“. Jahrelang habe das Unternehmen die Ausbildung neuer Fahrdienstleiter vernachlässigt. „Nur so ist zu erklären, dass auf kurzfristige personelle Engpässe nicht mehr reagiert werden kann.“ Zu leiden hätten Kunden und Beschäftigte der DB, deren Dienstpläne durcheinander geworfen würden. Als Aufgabenträger zahle der Zweckverband jährlich Schienenmaut in Millionenhöhe. „Wir erwarten, dass wir dafür auch eine angemessene Leistung erhalten und die Züge auch dann fahren können, wenn die Kunden sie brauchen und die Fahrkarte dafür bezahlt haben.“

Die deutlichen Worte des Direktors haben ihren Grund: Es ist nicht das erste Mal, dass die DB aus Personalnot ihr Angebot einschränken muss. Zweckverbandssprecher Fritz Engbarth berichtete von einem Vorfall im Frühjahr, bei dem der Konzern auf der Strecke Mainz-Worm ersatzweise Busse eingesetzt hatte, weil für die Sicherheitstechnik zuständigen Fahrdienstleiter fehlten. Wenig später erhielt der Zweckverband die Mitteilung, dass das Personal im Stellwerk Mainzer Hauptbahnof so knapp sei, dass die gesetzlich vorgeschriebenen Ruhezeiten nicht einzuhalten seien. Deshalb müssten zwischen 18. und 23. Juni mehrfach 15-minütigen „Arbeitsschutzpausen“ eingelegt werden, in denen kein Zugverkehr stattfinden könne.



Auf der Seite der Quelle findet man auch ein Bild dazu, das war wirklich knapp.

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