#1 [SRB/MNE] Bahnverkehr zwischen Schlangen und Schildkröten Teil 1 von Eric Greulich 04.07.2019 00:06

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Hallo,
heute ist es soweit, der erste Teil unserer großen Sommertour kommt ;-)

Nachdem der letzte Sommerurlaub etwas ruhiger war, sollte diesen Sommer eine größere Balkanrunde starten. Die Ursprüngliche Planung zog sich von Serbien über Montenegro, Albanien nach Nordmazedonien. Ein straffes Programm, was eigentlich nicht so einfach zu schaffen ist. Nach diversen Recherchen sind Max und ich auf den Entschluss gekommen, dass wir Albanien und Nordmazedonien rauslassen würden. Nordmazedonien wäre nur in Betracht gekommen, wenn es wettertechnisch nicht anders machbar gewesen wäre. Der Urlaub sollte außerdem im Juni stattfinden, um nicht mit den Ferien zu kollidieren. Außerdem wollte man die längsten Tage des Jahres nutzen. Um die Mittagszeit ist in einigen Ländern des Balkans eher weniger los auf der Schiene. Die Zielgebiete des Urlaubes sollte in Serbien der Raum Belgrad sein, sowie die Bahnstrecke Nis-Dimitrovgrad. In Montenegro war die Hauptstrecke Belgrad-Bar das Ziel.
Die Flüge waren schnell gefunden, netterweise verbindet wizzair Hannover mit Belgrad, so das der Ausgangspunkt hätte nicht besser sein können. In Belgrad wurde bei europcar ein Audi Q2 gemietet. Ein Auto, was durchaus mit etwas Gelände klarkommen sollte und genügend Platz für Koffer und Leitern bieten sollte.

Samstag, den 15. Juni
Mit gepackten Koffern ging es rechtzeitig um 12:00 Uhr ab Wennigsen zum Flughafen Hannover, welchen man mit leichter Verspätung auch erreichte. Nachdem man die Koffer aufgegeben hatte, ging es nach einer gefühlten Ewigkeit zu McDonalds um sich etwas für den Flug zu stärken. Die Maschine aus Belgrad hatte gut 20 Minuten Verspätung, so das der Abflug sich ebenfalls um 20 Minuten verspätete. Trotzdem kamen wir halbwegs pünktlich an. Der Flug an sich war zumindest von der Wolkenstimmung interessant. Getränke wurden leider nicht serviert und gab es nur gegen „Aufpreis“.


Ohne Aufpreis hingegen; der Blick in die Wolkenfront.

Nachdem wir unsere Koffer hatten, gingen wir durch den Zoll, wo eine Dame uns beide und einen weiteren Fluggast aufforderte unser Gepäck durch das Röntgengerät zu jagen. So wichtig war das ganze wohl auch nicht, da die Dame einfach wortlos und desinteressiert in der Gegend rumstand, weitab vom Bildschirm. Unser Mietwagen konnte schnell und unkompliziert übernommen werden. Dieser wieß aber trotz seiner gerade mal 6.000 Kilometer schon einige Schäden auf sich. Unser erstes Ziel war Uradi Sam, der serbische Baumarkt, der unüblicherweise in einer Mall untergebracht war. Leitern, Säge und Rasenschere waren aber schnell besorgt. Nach etwas Tetris passten diese mit samt Gepäck in den SUV.


Unsere Karre nach dem Baumarktbesuch.

Unser erstes Ziel hieß Velika Plana, ein Hotel „Vir“ mit entsprechendem Balkanrestaurant war schnell gefunden, auch wenn ich anfangs bedenken hatte, als ich in die Straße einfuhr. Es sah nicht so aus als würde man dort ein Hotel finden. Eher hätte ich mit einigen zusammengezimmerten Buden gerechnet. Das Hotel war aber für die Übernachtung in Ordnung.


Zum Abendessen gab es neben Pljeskavica natürlich auch Pivo ;-)

Sonntag, den 16.Juni

Der Morgen versprach viel Sonne und wir starteten relativ früh mit unserm Programm. Ziel war es, das verbliebene lokbespannte Zugpaar im Nahverkehr von Nis nach Belgrad zu verewigen. Außerdem könnte noch der „Hellas“ kommen, welcher mazedonische und serbische Wagen mit sich führt. Bei internationalen Zügen im Balkan ist das Zugbild generell bunt, allerdings ist das Angebot eher klein gehalten. So verkehren auf dem Abschnitt Belgrad-Nis nur je ein saisonelles Zugpaar von Belgrad nach Sofia und von Belgrad nach Thessaloniki (Ab Gevgelija SEV).
Der Regionalzug war balkantypisch verspätet, fuhr aber zu unserem Missfallen mit einem 412er. Die Stelle war jetzt nicht unbedingt Riga-S-Bahn-tauglich. Eine Lok mit zwei oder drei Wagen hätte da besser ausgesehen. Dafür war ein sauberer Triebzug für mich eher ungewohnt. Das betrifft auch die LED´s.


412 099 als PT2900 von Nis nach Belgrad bei Staro Selo.

Der B1334 aus Thessaloniki lies sich nicht blicken, hätte auch nicht damit gerechnet, dass dieser pünktlich ist. Wir steuerten unser nächstes Ziel an, Resnik, ein Vorort von Belgrad, wo ich eine nette Stelle ausgemacht habe. Der Weg auf eine So-Da-Brücke war relativ einfach, nur die letzten Meter musste man sich durch das Unterholz schlagen. Hier wird dann aber am Vormittag das volle Programm geboten. Eigentlich sind die interessanten Zeiten zwischen 09:00Uhr und 09:30Uhr, wenn zwei internationale Fernverkehrszüge Belgrad verlassen.


Den Anfang macht aber genau das Gegenteil vom ersten Bild, eine typische Riga-S-Bahn von BeoVoz. Ich würde euch gerne die Nummer von der Karre nennen, aber da war nix mehr zu machen, die Kiste sah einfach zu übel aus.

Dann began der spannende Part mit den beiden Fernverkehrszügen. Den Anfang machte der B431 Belgrad-Bar. Dieser führt im Sommer noch einen Autowagen mit.


441 604 zog den Tagesschnellzug. Abgesehen vom Autowagen bestand der restliche Zug aus ZPCG-Material.
Wenige Minuten später rollte der nächste Schnellzug an uns vorbei. Es handelt sich hierbei um den verbliebenen Rest des früher ganzjährig verkehrenenden B491 (gegenzug 490), welcher jetzt B1491 heißt. Für die Strecke Belgrad-Sofia brauch der Zug gut 10 Stunden (Mit dem Auto locker in 5h schaffbar).


441 701 wurde in den letzten Jahren modernisiert. Die zwei Anhängsel hätten trotzdem mal ein Update nötig. Es folgt ein übel aussehender Halberstädter der Bulgarischen Staatsbahn und als serbischer Vertretter ein zugesprühter Schnellzugwagen.

Es war auch das letzte brauchbare Foto des Tages, es folgte nun eine lange Fahrt von Resnik nach Podgorica. Das Navi war nur bedingt hilfreich, so war die Autobahn ab Obrenovac noch gar nicht eröffnet und zum Dank dafür durfte ich dann durch die serbische Provinz eiern, bis man auf die Straße nach Montenegro traf. Zwischendurch war auch mal ein Stück der Autobahn schon für den Verkehr freigegeben, was den Vorteil hatte, mal den einen oder anderen LKW loszuwerden. Wir sahen aber auch schöne Seiten von Serbien, besonders im Raum Uzice waren die Seen in den Bergen echt sehenswert. Es tat dann doch mal gut eine kurze Pause einzulegen und die Landschaft zu genießen. Großartig mit Bildern hatte ich für heute nicht gerechnet. Ein kurzer Hoffnungsschimmer kam nur auf, als uns auf einmal der B431 von hinten überholte. Die Ausfahrt von Uzice wollten wir uns schenken, aber zum Motiv nach Ribnica hätten wir es auch nicht mehr geschafft. Die nächste Idee wäre den Zug nochmal am Wunschmotiv in der nähe von Bijelo Polje, kurz hinter der Grenze, zu kriegen. Allerdings machte uns da der Schlonz ein Strich durch die Rechnung. Auch das restliche Montenegro war vom Wetter eher weniger einladend. Die Grenze sah auf serbischer Seite eher provisiorisch aus, man hätte sich durchaus auch fragen können, wer zwei Zeitungskioskbuden auf die Straße gestellt hat. Die Grenzanlagen auf der Seite von Montenegro wirkten sehr modern. Wir suchten uns ein Hotel in Podgorica. Der eine oder andere Eisenbahnfreund wird das Hotel Evropa am Podgoricarer Bahnhof wohl kennen. Wir quatierten uns dort ein. Das Zimmer war in Ordnung und die Küche vom Restaurant lies keine Wünsche offen, auch wenn ich das Ajvar auf dem Teller vermisste. Dank Klimaanlage war die Nacht im Hotel gut.


Die fast typische Balkanplatte gab es zum Abendessen.

Montag, den 17. Juni

Das Wetter hätte besser sein können. Wir entschlossen uns einfach mal so die Gegend anzuschauen. Wir setzten uns in das Auto und fuhren grob Richtung Meer. In Virpazar entschieden wir uns für die längere, aber landschaftlich schönere Route. Die alte Straße nach Bar. Wir bogen aber zunächst falsch ab, so dass wir erst später auf die alte Straße nach Bar trafen. Der Umweg führte über eine enge Straße. Diese war zwar asphaltiert, aber bot keinen Platz für zwei sich begegnene Autos. So musste öfters mal ein paar Meter zurückggesetzt werden, wenn was von Vorne kam. Hier trafen wir auch auf die ersten heimischen Tiere, eine zum Glück totgefahrene Schlange von über einem Meter Länge. Es war nicht die letzte die wir gesehen haben diesen Urlaub.


Blick in Richtung Virpazar, wir befinden uns in Montenegro´s Weinregion.


Das mobile Fotostudio ;-)


Vom Zustand der Verkehrsteilnehmer in Montenegro sei gesagt: "Alles was vier Räder hat, ein Lenkrad und ein Motor ist der Standart, alles darüber hinaus glänzt an Luxus" Die beiden Vertreter sehen aber vom Rostzustand noch relativ gut aus.

Nach einigen kleinen Dörfern trafen wir auf die eigentliche Straße nach Bar. Diese war ehemals eine „Bundesstraße“, ist aber größtenteils zugewachsen oder von Geröll bedeckt. Auch hier musste man öfters mal Platz machen, wenn wer von vorne kam. Selbst zu den belebten Zeite muss dass hier eng gewesen sein. Man mochte sich nicht vorstellen, wie es zu Zeiten aussah, als es den Tunnel noch nicht gab. Am Scheitelpunkt exestierte sowas wie ein Dorf, allerdings lagen die Häuser weit auseinander. Das einzige nahe Gebäude war ein vermutlich verfallener Bauernhof oder so in der Art. Vielleicht hatte sich da auch wer mal einen Ferienhof für Feriengäste aufbauen wollen. Wer weiß. Fenster und Türen gab es keine und der Boden im Erdgeschoss war übersäht mit Kuhfladen. Als wir das Gebäude wieder verliessen, standen uns die aktuellen Bewohner gegenüber. Diese waren aber wenig beeindruckt von uns. Sie trotteten durch das zugewachsene Gelände und verschwanden hinter dem Gebäude. Auf der Straße unweit von unserem Auto standen einfach drei Pferde rum. Eines hatte eine Kuhglocke um den Hals. Freilaufende Pferde kenne ich noch aus Rumänien, daher war es für mich nicht so neu.



Auf dem Weg an die Küste mussten wir noch einer Kuhherde ausweichen, welche sich an der Straße breit gemacht hat. Einige Kilometer vor dem Ziel und in gut 435 Metern Höhe hatte man einen schönen Ausblick über Bar.


Blick über Bar.

Die Straße nach Bar kreuzte früher mehrmals der Antivari-Bahn, der ersten Bahnstrecke im heutigen Montenegro. Diese führte von Antivari (heute Bar) nach Virpazar, einer Schmalspurbahn, welche das 1600 Meter Rumija-Gebirge überquerte. Erst mit dem Bau der Normalspurstrecke (1959) verlor diese ihre Bedeutung und wurde 1960 stillgelegt. Teile der Trasse kann man noch gut über google.maps verfolgen. In Virpazar bestand dann Anschluss an ein Schiff, was die Reisenden an das andere Ufer des Shkadar-Sees brachte. Dort bestand nach dem ersten Weltkrieg Anschluss an eine 600mm Bahn nach Podgorica. Diese ist natürlich auch seit 1960 rum Geschichte. Der See wurde nach der Neutrassierung auf einem Damm überquert, dazu aber in weiteren Berichten mehr. Hinter dem Gebirge wurde das Wetter teilweise besser, wir kundschafteten Fotostellen aus und irgendwann hatte das Wetter auch ein Erbarmen mit uns. Die Sonne kam mal voll raus und wir legten sofort los mit unserem Programm.


Eine der beiden wohl noch einsatzfähigen Riga-S-Bahnen in Montenegro ist 412 041/042, welche im Regionalverkehr die Route Podgorica-Bar bedient. Hinzu kommen noch einige Abstecher nach Nicksic. In Sutomore gibt es ein größeres Brückenbauwerk, welches wir mit dem Triebwagen umsetzten.
Auf dem Rückweg von der Stelle fuhren wir mal zum Bahnhof von Bar. An einer Kreuzung vor der roten Ampel wollten wir mal wissen was unser Mietwagen mit angeblichen 150 PS kann. So richtig vom Fleck kam aber die Karre nicht, dafür bekamen wir eine Kelle von der örtlichen Polizei. Diese war aber weniger an unserem Fahrverhalten interessiert, sondern an unserem Gefährt. Nach einer kurzen Kontrolle der Papiere ging es weiter für uns.
In Montenegro gibt es nur eine E-Lok-Baureihe, 16 Maschinen wurden nach der Unabhängigkeit von Serbien übernommen. Auch die ZPCG hat einen Bereich für Cargo und einen Bereich für den Personenverkehr (Prevoz). Beide hatten jeweils acht Maschinen, bei Cargo sind es mittlerweile aber nur noch sechs, zwei Maschinen hatten einen irreperablen Schaden. Warum nun Prevoz acht Maschinen hat, entzieht sich meiner Kenntnis, Für das aktuelle geschehen bräuchte man vier Lokomotiven+ Reserve. Wir postierten uns am Nachmittag in einem Vorort von Bar. Dort wollten wir den Regio nach Bijelo Polje machen. Kurz vor der Planzeit kam allerdings noch ein Güterzug mit 461 031 und einem Mischer.


Bar ist die größte Güterverkehrsstelle im Netz. In Podgorica wird häufig aber noch rangiert. In Podgorica selbst gibt es noch ein Aluminiumwerk und in Nicksic werden die Rohstoffe auf die Bahn verladen. Sonst sorgt noch der Grenzübergang zu Albanien für etwas Aufkommen. Im gesamten ist der Güterverkehr doch recht übersichtlich.


Einige Minuten später kam der Regio, welcher am Haltepunkt ettliche Fahrgäste aufsammelt. 461 043 dürfte aber wenig Probleme mit den drei Wagen gehabt haben.

Nach dem Foto siffte es wieder gewaltig zu, wir schauten aber kurz mal hinter das Rumija-Gebirge, ob dort gegebenenfalls das Wetter besser ist. Doch Fehlanzeige! Auf dem Rückweg in das Hotel kamen wir erneut in eine Polizeikontrolle. Genau wie im Falle zuvor ging es nur um die Papiere. Selbst meinen Perso wollten die Ordnungshüter nicht sehen.

Unterwegs hatten wir noch eine Fotostelle ausgekundschaftet, einerseits sah diese relativ interessant aus, andererseits war sie schwer umsetzbar. Hinzu kam noch der Schlonz und die Unwissenheit über der passende Zug aus Belgrad überhaupt halbwegs im Plan war.


Eins sei aber gesagt, das Hauptaugenmerk im Motiv wäre dieser hier gewesen.


Ausgedient hatte auch dieser Mercedes Benz.

Max macht demnächst weiter mit unserem Bericht, gebt ihm aber noch ein paar Tage ;-)

#2 RE: [SRB/MNE] Bahnverkehr zwischen Schlangen und Schildkröten Teil 1 von Sven Mathes 07.07.2019 22:29

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Das Ende mit den Leitern aus dem Baumarkt fehlt. Was macht man damit am Ende der Reise? Wie mit den Schrottreifen Autos am Straßenrand oder?

#3 RE: [SRB/MNE] Bahnverkehr zwischen Schlangen und Schildkröten Teil 1 von Eric Greulich 08.07.2019 01:48

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Das mit den Leitern kommt doch erst zum Schluss, obwohl die schon nach drei Tagen schrottreif aussahen :-D

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