#1 Jahresrückblick 2020 (m12B) von Lukas Gremer 31.12.2020 18:18

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Guten Abend,

das Pandemie-Jahr (und ein Jahrzehnt voller Düwag-Abschiede) neigt sich dem Ende zu und viele blicken hoffnungsvoll auf 2021. Dieses Jahr hat wie kein anderes schonungslos Misstände aufgedeckt und uns allen viel Zeit zur Selbstreflektion verschafft. Dennoch vermag wohl niemand zu hoffen, dass der Lockdown zum Dauerzustand wird. Zu viel hat uns dieses Jahr gefehlt - auch abseits der Sonderfahrten - Jahreshauptversammlungen wurden verschoben oder fielen aus, Urlaube waren nicht in gewohnter Form möglich und der ein oder andere verlor auf tragische Weise Familienmitglieder. Daher hoffe ich, dass die Impfungen im kommenden Jahr zügig vorranschreiten, damit wir wieder zur "alten Normalität" (Grüße gehen an den Landesvater) zurückkehren können.

Und dennoch gab es dieses Jahr eine ordentliche Fotoausbeute, deren Top 12 ich euch hier vorstellen möchte:


Bild 1: Wir beginnen mit einem Bild aus Braunschweig, wo ich am 05.01. gemeinsam mit einem Hobbykollegen an der Neujahrsrundfahrt der Interessengemeinschaft Nahverkehr teilnahm. Dabei stand vorallem das 25-jährige Niederflur-Jubiläum im Fokus entsprechend kam Tw 9551 (der erste Niederflurwagen Braunschweigs) - in Begleitung vom 1962 gebauten GT6 35 und Beiwagen 201 - zum Einsatz. Unter anderem wurde bei dieser Fahrt auch das Rückziehgleis beim Trafowerk nahe des Umsteigeknotens BS-Rühme befahren, welches hier zu sehen ist. Damals wagte ich es gar nicht, daran zu denken, dass dies für lange Zeit die letzte Sonderfahrt sei.


Bild 2: Da ich im Februar überhaupt keine Fotos gemacht habe, erlaube ich mir ein zweites Januar-Bild. Am 17.01. gelangten 4 M6S beim Schalke-Heimspiel mal wieder zu Einsatzehren, angeblich weil noch nicht alle 100er Variobahnen in Betrieb genommen waren. Tatsächlich munkelte man unter der Hand, das dies nun häufiger der Fall sein würde - leider machte die Pandemie dem ein Strich durch die Rechnung. Tw 313 verlässt hier gerade den Gelsenkirchener Hauptbahnhof als Leerfahrt in Richtung Veltins-Arena - inzwischen ist der 1976 gebaute Sechsachser abgestellt und wird leider bald den Weg des alten Eisens gehen müssen.


Bild 3: Ab 01.04. wurde der Pendelbetrieb auf dem Wittener Teilstück der 310 vorübergehend beendet und der SEV bis Witten-Heven durchgebunden. Da niemand wusste, wie lange dieser Zustand anhalten würde nahm ich am 30.03. schon mal vorsorglich Abschied von der "guten, alten" 310. Tw 318 befindet sich hier auf Einrückfahrt nach Bochum und bremst in die Haltestelle Papenholz ein - mittlerweile unwiederholbar!


Bild 4: Im Frühjahr luden Temperaturen um die 20 Grad zu Fototouren mit dem Fahrrad ein: Der 1977 gebaute Essener B-Wagen 5106 verlässt am 22.04. die Haltestelle Alte Landstraße in Richtung Süden.


Bild 5: Im Mai führten anhaltende Personalprobleme bei Abellio zu n-Wagen-Einsätzen auf der S3 zwischen Oberhausen und Hattingen. Am 22.05. schiebt 182 526 gerade ihre Garnitur die Steigung zum Bahnhof Essen-Steele hinauf.


Bild 6: Nach erfolgter Brückensanierung kann die Essener SL 105 seit dem 23.03. nach mehrjähriger Sperrung endlich wieder bis zur Finefraustraße in Essen-Rellinghausen fahren, wodurch bei der Ruhrbahn auch wieder vermehrt "1400er" zum Einsatz kommen, wie hier etwa Tw 1403. Am 10.06. befährt er besagte Brücke um nach links in die Eisenbahnstraße einbiegen zu können.


Bild 7: Der VRR erweiterte in den Sommermonaten die Mitnahmeregelungen, sodass die Abo-Tickets an den Wochenenden landesweit gültig waren. Daher nutzte ich die Gelegenheit und besuchte am 04.07. das ostwestfälische Bielefeld, wo die M8Cs aus den 1980er Jahen kurz vor der Ablösung stehen. Tw 551 beschleunigt gemeinsam mit einem unerkannt gebliebenen Geschwisterchen aus der (noch-)Haltestelle "Sieker Mitte" heraus in Richtung Nordosten. In Zukunft wird die Haltestelle zusammen mit der Haltestelle "Hartlager Weg" zu einem Hochbahnsteig vor der Rochdale-Kaserne zusammengelegt, lediglich die Haltestelle für den Museums-GT8 dürfte dann noch an der jetzigen Position verbleiben.


Bild 8: Im August entdeckte ich bei Außentemperaturen von über 30 Grad und einer genauso heißen Wohnung die Tunnelbahnhöfe entlang der 301 als Fotostandorte. Da auf besagter Linie schon seit längerem keine Qualität mehr eingesetzt wird, musste ich mit den verhassten Variobahnen vorlieb nehmen. Hier verlässt der 2013 in Dienst gestellte Niederflursechsachser 538 gerade den Bahnhof Bismarkstraße in Richtung Horst. (11.08.20)


Bild 9: Am 27.09. war es dann tatsächlich soweit, der Streckenabschnitt Witten-Papenholz <-> Bochum Unterstraße über Am Honnengraben wurde stillgelegt. Damit fand nach nur 68 Jahren das (Dauer-)Provisorium am südlichen Rand von Langendreer ein Ende - nach gut 4 Wochen SEV - wurde am 01.11. dann endlich auch die neue Strecke eröffnet. Als letztes befuhren nahezu gleichzeitig die M-Wagen 310 und 311 in Begleitung vom "Fuchswagen" 96 am 27.09. gegen 23:45 die idyllische Alt-Strecke, zuvor gab es noch ein kurzes Stelldichein aller 3 Wagen am Wittener Rathaus (wer genau hinsieht erkennt Tw 96 hinter Tw 310 )


Bild 10: In den Herbstferien wurde in Duisburg-Hochfeld gebaut, weshalb die 903 einen Umweg über die Düsseldorfer Straße und die Kulturstraße, welche ansonsten linienmäßig seit 1992 nicht mehr befahren wird, nehmen musste. Am 16.10. begegnen sich 1006 und 1007 bei der Haltestelle "Kulturstraße" - auch die Duisburger N-Wagen stehen kurz vor der Ablösung in Form der NF4 bzw. GT8ND.


Bild 11: Mit den Abschieden ist es ja so eine Sache, die meisten Fahrzeug-Abschiede sind für mich eher irrelevant, da ich mit Fahrzeugen aus anderen Städten oft nur wenig Assoziationen habe. Nicht aber bei den von 1992-1994 gebauten MGT6D, bei der Bogestra betriebsintern als NF6D bezeichnet, welche für mich als Gelsenkirchener lange Jahre nicht aus dem Stadtbild wegzudenken waren. Kaum ein Fahrzeugtyp hatte so ein unverkennbar characteristisches, weit hörbares Heulen wie diese. Am 13.11. war es aber leider so weit, Tw 421 heulte um 19:57 zum letzten Mal mit Fahrgästen von Hattingen nach Bochum - die NF6D im Einsatz bei der BOGESTRA waren damit Geschichte. Wenige Wochen später verließen auch die letzten beiden Vertreter dieser Bauart Bochum per Tierflader in Richtung Lodz in Polen, wo sie beim dortigen Verkehrsbetrieb hoffentlich noch weitere Jahre ihren Dienst tun werden. Als Museumswagen bleibt leider kein einziger der ursprünglich 42 Wagen erhalten.

Aber wer weiß, wo es heute offenbar einem GT8 möglich ist aus Posen nach Düsseldorf zurückzukehren, ist dies hoffentlich auch für die VhAG BOGESTRA in Zukunft eine Option. Die Hoffnung stirbt ja bekanntlich zuletzt.


Bild 12: Zum Jahresabschluss startete die Ruhrbahn mit Regeleinsätzen der NF2 auf der SL 107. Zwar gab es bereits in der Vergangenheit fallweise Einsätze dieses Typs auf der "Kulturlinie", die unterschiedlichen Digitalfunksysteme von Bogestra und Ruhrbahn erschwerten bislang jedoch einen reibungslosen Betriebsablauf, sodass man sicherheitshalber auf die 1999-2001 gebauten Vorgänger zurückgriff, welche auch analog funken können (und mussten). Nun scheinen diese Probleme gelöst, sodass regelmäßigen Einsätzen nichts mehr im Wege steht. Am 18.12.20 wechselt Tw 1622 an der Haltestelle Nienhuser Busch gerade seine Fahrgäste.

Damit bin ich auch schon wieder am Ende angekommen, ich hoffe dieser Jahresrückblick hat euch gefallen, bleibt gesund und bis zum nächsten Jahr!

Gruß,
Lukas

#2 RE: Jahresrückblick 2020 (m12B) von Ryokan Yamakata 31.12.2020 20:22

Sehr schöner Bildbereicht! Im Gegensatz zu meinem doch lange gewordenen Jahresrückblick kurz und knapp und dennoch sehr aussagekräftig! Danke dafür und dir wünsche ich einen guten Rutsch ins Jahr 2021!

#3 RE: Jahresrückblick 2020 (m12B) von Lukas Gremer 01.01.2021 00:36

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Frohes Neues Ryokan!

Danke für dein Kompliment, ich bin bisher leider noch nicht dazu gekommen deinen Bericht durchzulesen, ich werde es aber morgen nachholen (versprochen ). Ich kenne es aber auch aus den vergangenen „normalen“ Jahren, dass es häufig schwerfällt, sich auf 1 Bild pro Monat zu beschränken, dennoch würde ich dir raten die Bildzahl in Zukunft etwas zu reduzieren, da die Berichte sonst echt extrem lang werden.

Gruß,
Lukas

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