#1 Eberswalde fährt auf den O-Bus ab von Alexander Schmitz 13.10.2009 08:40

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Sie verbinden Küstenorte auf der Schwarzmeer-Insel Krim, bringen in chinesischen Großstädten Menschen zur Arbeit - und sind seit beinahe sieben Jahrzehnten nicht mehr aus Eberswalde wegzudenken.

Wenn in der Barmim-Stadt in gut einem Jahr das 70-jährige Bestehen des O(berleitungs)Bus-Verkehrs gefeiert wird, soll der erste stromgetriebene Bus der nächsten Generation über die Straßen der Kreisstadt in Brandenburgs Nordosten rollen.
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Zwölf neue Fahrzeuge hat der Aufsichtsrat der Barnimer Busgesellschaft (BBG) genehmigt - und damit nach Worten von BBG-Geschäftsführer Frank Wruck den Weg für die nächsten 20 Jahre O-Bus in Eberswalde frei gemacht.

Für Landrat Bodo Ihrke (SPD) ist dieser Schritt nur konsequent angesichts des Vorhabens des Landkreises, die Klimaschutzziele der Bundesregierung schon vor 2020 zu erreichen. O-Busse - die in Deutschland nur noch in Esslingen (Baden-Württemberg), Solingen (Nordrhein-Westfalen) und Eberswalde fahren - seien zwar heute volkswirtschaftlich betrachtet insgesamt weder wirtschaftlicher noch in ihrer Energiebilanz wesentlich günstiger als mit Diesel betriebene Busse. Aber "im Hinblick auf Strom aus erneuerbaren Energien halten wir einen elektrischen Antrieb für zukunftsfähiger", sagt Ihrke. Bei der Entscheidung für den Weiterbetrieb der Linien habe auch eine Rolle gespielt, dass der Kreis ein Vorreiter beim Sparen von Energie sein müsse. Dies habe in der Diskussion auch den entscheidenden Nachteil des O-Bus-Verkehrs überwogen, sagt Ihrke. Als größtes Manko gilt, dass diese Busse an die Oberleitung gebunden und damit nicht so flexibel einsetzbar sind wie die gängigen mit Verbrennungsmotoren angetriebenen Busse.

Als das Eberswalder O-Bus-System 1940 installiert wurde, war der Stromantrieb ein ausschlaggebender Punkt: Treibstoff wie Diesel wurde für den Krieg gebraucht.

Die Topographie der Stadt, die sich fast 15 Kilometer entlang des Finowkanals erstreckt, ließ sie als für O-Bus-Linien besonders geeignet erscheinen. Städte wie Potsdam, in denen ebenfalls jahrzehntelang O-Busse verkehrten, haben sich indes längst vom "Strippen-Express" verabschiedet.

Dass Eberswalde daran festhält, ist für Hartmut Bülow schon aus beruflichen Gründen erfreulich: Seit zwölf Jahren steuert er O-Busse und hat festgestellt, dass die Gefährte so manche Passanten interessieren. "In der Urlaubszeit stehen häufig Leute am Straßenrand, staunen und fahren dann schon einmal eine ganze Runde mit", berichtet Bülow. Der 53-Jährige zieht O-Busse den herkömmlichen vor. "Wenn man an der ,Strippe' ist, ist es doch ein anderes Fahren."

Laut BBG verschaffen sich davon jährlich etwa 3,8 Millionen Passagiere bei Fahrten mit dem O-Bus einen Eindruck. 14 Busse umfasst die derzeitige Flotte, jeder von ihnen hat etwa 750 000 Kilometer auf dem Tacho. Die neuen Fahrzeuge sollen im Gegensatz zu den jetzigen über einen sogenannten Sekundärantrieb verfügen. Damit sollen sie bis zu fünf Kilometer weit auch ohne Stromzufuhr fahren können. BBG-Geschäftsführer Wruck geht davon aus, dass ihre Nachfolger nach dem Jahr 2020 auch mit Brennstoffzellen angetrieben werden können.

Quelle: http://www.morgenpost.de

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