#1 Berlin: S-Bahn-Ringverkehr wird ausgeschrieben von Philipp Wilkens 28.01.2010 15:18

Zitat von RBB
Spitzengespräch
S-Bahn: Entschädigung und Neuausschreibung


Wegen der monatelangen Pannen und Verspätungen bei der Berliner S-Bahn gibt es für Fahrgäste zusätzliche Entschädigungen in Höhe von rund 70 Millionen Euro. Das teilte die Deutsche Bahn nach einem Treffen ihres Vorstandschefs Rüdiger Grube mit Berlins Regierendem Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) am Donnerstag mit.

Unter anderem fahren demnach Abo- und Jahreskarteninhaber sowie Studenten der Universitäten in Berlin und Potsdam mit Semestertickets zwei Monate kostenlos. Der Bahnchef kündigte an, dass die S-Bahn erst zum Ende des Jahres wieder nach einem regulären Fahrplan verkehren werde.

Wowereit begrüßte die Ankündigung. Er sagte aber, nach den Erfahrungen der letzten Monate sei er skeptisch, ob die Bahn diesmal ihre Versprechen einhalte.

Neuausschreibung von zwei Strecken

Nach dem Treffen gab der Senat bekannt, den Betrieb auf dem S-Bahn-Ring und auf der Strecke Richtung Schöneweide ausschreiben.

Dieses Teilstück sei dafür am geeignetsten, sagte Stadtentwicklungssenatorin Junge-Reyer im Abgeordnetenhaus. Der Senat habe sich dabei mit Brandenburg abgestimmt. Die Information über die Vergabe der Strecken nach Ablauf des S-Bahn-Vertrages 2017 soll in der nächsten Woche im Amtsblatt veröffentlicht werden.

Auf der Suche nach Wegen aus der Krise

Wie bereits bei ihrem ersten Gipfel vor einem halben Jahr ging es bei dem Treffen nun darum, Wege aus der S-Bahn-Krise finden.

Das Tochterunternehmen des Bahnkonzerns kann aufgrund von versäumten Wartungen, Fahrzeugmängeln und verschärften Sicherheitskontrollen derzeit nur knapp die Hälfte seines Wagenparks einsetzen. Hunderttausende Berliner und Brandenburger müssen deshalb Tag für Tag im Berufsverkehr längere Fahrtzeiten als gewöhnlich einplanen und überfüllte Züge hinnehmen.

Heilmann: Vertragsstrafen verbindlich vereinbaren

Vor dem Treffen kritisierte die Berliner CDU den Umgang des Senats mit dem S-Bahn-Chaos. Der stellvertretende CDU-Landeschef Thomas Heilmann sagte der rbb-Welle Radioeins, Berlins Regierender Bürgermeister Klaus Wowereit müsse mit der Bahn nach Lösungen suchen. Es bringe nichts, der Bahn damit zu drohen, den S-Bahn-Verkehr ab 2017 an ein anderes Unternehmen zu geben.

Heilmann forderte eine verbindliche Vereinbarung mit der Bahn darüber, wann es wieder einen normalen Fahrplan gebe. Halte sich die Bahn nicht an die Verabredungen, müsse sie dafür haften.

Vorwürfe an die Bahn

Der Bahn war immer wieder vorgeworfen worden, das Desaster selbst verursacht zu haben. Sie soll die S-Bahn finanziell ausgepresst haben, um ihre Bilanz für einen Börsengang zu verbessern. Als Konsequenz wollen sich Berlin und Brandenburg von der Deutschen Bahn als einzigem Anbieter lösen und eine Ausschreibung von einem Viertel des S-Bahn-Netzes vorbereiten. Hier könnten dann von Ende 2017 an auch andere Bahnunternehmen die Beförderung übernehmen.

Der Senat prüft auch, ob die landeseigenen Berliner Verkehrsbetriebe (BVG) das Teilnetz betreiben könnten. Zudem denkt der Senat als dritte Möglichkeit über einen Kauf der S-Bahn nach. Grube hatte kürzlich angekündigt, aus der pannengeplagten S-Bahn einen Vorzeigebetrieb zu machen und die Bahntochter keinesfalls zu verkaufen.



Quelle:http://rbb-online.de/nachrichten/politik..._und_grube.html

#2 RE: Berlin: S-Bahn-Ringverkehr wird ausgeschrieben von Alexander Schmitz 28.01.2010 15:49

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Super. Mit den Ringlinien können ja nur die Linien S41 und S42 gemeint sein. Vom Ring nach Schöneweide kommt man aber auf mehreren Wegen: S8, S9, S45, S46 von S47. Und welche ist jetzt gemeint? Oder werden gar alle o.g. Linien ausgeschrieben?

#3 RE: Berlin: S-Bahn-Ringverkehr wird ausgeschrieben von Philipp Wilkens 28.01.2010 16:07

Das weiß ich auch nicht, doch das wird ja bald im Amtsblatt stehen.

#4 RE: Berlin: S-Bahn-Ringverkehr wird ausgeschrieben von Marcel Hilgers 28.01.2010 16:24

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Ausgeschrieben werden zur Ringbahn die Zulaufstrecken der S45, S46 und S47... [18]

#5 RE: Berlin: S-Bahn-Ringverkehr wird ausgeschrieben von Alexander Schmitz 28.01.2010 20:48

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Danke, habs so auch bei DSO gefunden.

#6 RE: Berlin: S-Bahn-Ringverkehr wird ausgeschrieben von Andreas Beeck 28.01.2010 20:51

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Na das sind doch endlich mal erfreuliche Nachrichten...

#7 RE: Berlin: S-Bahn-Ringverkehr wird ausgeschrieben von Alexander Schmitz 28.01.2010 21:17

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Ich bin mal gespannt, wie viele Bewerber es geben wird. Schließlich besitzt die Berliner S-Bahn doch eine ganze Reihe von Eigenheiten.

#8 RE: Berlin: S-Bahn-Ringverkehr wird ausgeschrieben von Marcel Hilgers 28.01.2010 21:27

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Das fängt schon bei den Fahrzeugen an. Bin mal gespannt, ob die Übernahme von den DB-Fahrzeugen für den Anfang vertraglich geregelt wird oder ob das Unternehmen von Null alles aufbauen muss...

#9 RE: Berlin: S-Bahn-Ringverkehr wird ausgeschrieben von Andreas Beeck 28.01.2010 21:32

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Zitat von Marcel Hilgers
Das fängt schon bei den Fahrzeugen an. Bin mal gespannt, ob die Übernahme von den DB-Fahrzeugen für den Anfang vertraglich geregelt wird oder ob das Unternehmen von Null alles aufbauen muss...



Hoffentlich gibts Neufahrzeuge, damit man den derzeitigen Schrott einschmelzen kann...

#10 RE: Berlin: S-Bahn-Ringverkehr wird ausgeschrieben von Alexander Schmitz 28.01.2010 21:57

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Schrott sind nur die Triebzüge der BR 481/ 482, die allerdings auf Grund des Anfahr- und Bremsgeräusches und ihrer Front das Stadtbild der Hauptstadt prägen. Die restlichen S-Bahn-BR sind doch ganz hübsch...

#11 RE: Berlin: S-Bahn-Ringverkehr wird ausgeschrieben von Alexander Schmitz 08.11.2010 22:57

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Renate Künast hat ersten Ärger – mit der S-Bahn

Auf ihrem Landesdelegiertenversammlung widmen sich Berlins Grüne auch der S-Bahn-Krise: Diskutiert werden soll eine mögliche Teilausschreibung des Netzes. Das bringt den Betriebsrat der S-Bahn gegen die Grünen-Spitzenkandidatin auf.

Kaum hat Renate Künast ihre Kandidatur als Spitzenkandidatin der Grünen für das Amt der Regierenden Bürgermeisterin bekannt gegeben, erreicht sie erste Kritik: Der Betriebsrat der Berliner S-Bahn warnt sie vor einer Zerschlagung des Unternehmens. Anlass ist ein Beschluss, den der Parteitag am Sonntag zur Zukunft des S-Bahn-Betriebs in Berlin fassen will.

Die Grünen wollen auf ihrer Landesdelegiertenversammlung in Wedding als Konsequenz aus der S-Bahn-Krise auch über eine Teilausschreibung des Netzes debattieren. Der S-Bahn-Betriebsrat warnte vor den Folgen einer solchen Politik. „Ein vernünftiges und zuverlässiges Verkehrsangebot kann nur durch ein geschlossenes S-Bahnsystem erhalten werden“, sagte Volker Hoffmann, Vorsitzender des Betriebsrats, gestern. Dazu gehörten die Werkstätten, das Servicepersonal auf den Bahnhöfen und das Fahrpersonal. Jede Schnittstelle zwischen verschiedenen Anbietern führe zu Verschlechterungen im Angebot und erhöhe die Kosten der Betriebsführung. Ein angedachter landeseigener Fahrzeugpool würde das Land Berlin mit Kosten in Milliardenhöhe belasten, warnte der Betriebsrat.

Auf dem Parteitag will sich Künast zu den Aufgaben der hauptstädtischen Grünen äußern. Über die offizielle Landesliste für die Wahl entscheidet ein Parteitag am 9. April. Umfragen zufolge haben die Grünen gute Chancen, stärkste Kraft zu werden und erstmals das Regierungsoberhaupt zu stellen. Die rund 150 Delegierten des Parteitags werden ihre Programmdiskussion mit den Themen Umwelt, Energie und Mobilität beginnen. Ihnen liegen dazu mehrere Anträge des Vorstandes vor. Danach lehnen die Grünen den Neubau von Straßen ab und fordern eine klare Priorität für Fußgänger, Radfahrer und den öffentlichen Nahverkehr. Zugleich schlagen sie die Einführung einer Mobilitätskarte vor, mit der die Nutzung von Bus und Bahn, aber auch das Leihrad, Car-Sharing, Taxi oder Umweltticket bezahlt werden können. Außerdem soll auf allen Wohngebietsstraßen Tempo 30 eingeführt und eine komplette Parkraumbewirtschaftung innerhalb des S-Bahn-Rings geprüft werden. Des Weiteren sollen Resolutionen verabschiedet werden, in denen ein sofortiger Stopp für den Ausbau der umstrittenen Autobahn 100 und transparente Entscheidungen über die Flugrouten für den Flughafen Berlin-Brandenburg International (BBI) gefordert werden.

Zu Streit auf dem Parteitag könnte eine Auseinandersetzung um den Umgang mit Holz als Energiequelle werden. In seinem Antrag verteidigt der Landesvorstand den Import von Holz auch aus fernen Ländern, wenn strenge ökologische Kriterien eingehalten werden. In einem Antrag der Landesarbeitsgemeinschaft Energie heißt es aber, dass der Import von Biomasse beispielsweise aus Ländern wie Liberia generell abgelehnt werden soll. Wie sich der Parteitag dazu verhält, ist offen.

Gestern – einen Tag nach Künasts Antrittsrede – beschäftigte ihr Auftritt im Museum für Kommunikation immer noch die Politik. Sowohl die Landes-, als auch die Bundesebene. Der Vorsitzende der CDU/CSU-Bundestagsfraktion Volker Kauder sagte der „Welt am Sonntag“ auf die Frage, ob Künast oder Wowereit der bessere Regierende Bürgermeister wäre: „Ein Wechsel würde Berlin sehr guttun. Das, was ich bisher in Berlin erlebt habe, schreit nach Veränderung. Wowereit bietet der Stadt keine Perspektiven. Am liebsten wäre mir natürlich, wenn ein CDU-Mann oder eine CDU-Frau die Stadt regieren würde.“

Er führe mit Künast, die ihr Amt als Bundestagsfraktionsvorsitzende nur aufgeben will, wenn sie Regierende Bürgermeisterin wird, „immer wieder gute Gespräche“, sagte Kauder weiter. Er schätze ihr Engagement und ihr offenes Wort. „Allerdings haben wir in zentralen politischen Fragen unterschiedliche Ansichten.“ Es gebe zwar Schnittstellen in der Kommunal- und Landespolitik. Aber auf Bundesebene kämen die Grünen nicht als Koalitionspartner in Frage. Kauder verwies in diesem Zusammenhang auf die unterschiedlichen Positionen bei der Nutzung der Kernenergie. Künast protestierte gestern in Gorleben gegen den Castor-Transport von Atommüll.

Der frühere Regierende Bürgermeister Eberhard Diepgen (CDU) sagte dem „Tagesspiegel“, Schwarz-Grün müsse nach der Abgeordnetenhauswahl im September 2011 „eine reale Chance“ werden. Für einen Politikwechsel in der Stadt brauche Berlin die CDU, sagte Diepgen. Allerdings dürfe die CDU nicht „grünen Parteiparolen“ hinterherlaufen, fügte der Ehrenvorsitzende der Hauptstadt-CDU hinzu.

Der Landes- und Fraktionsvorsitzende der FDP, Christof Meyer, sagte über die Rede Künasts, „außer Ankündigungen und grüner Wohlfühllyrik“ habe es keine Klarheit über die Inhalte der Partei gegeben. Das Schaffen von 100.000 Arbeitsplätzen werde „blumig in den Raum gestellt“. Meyer sagte: „Frau Künast positioniert sich genau da, wo die Grünen seit Jahren sind: Im Nebulösen.“

Der Vorsitzende der Linksfraktion im Bundestag, Gregor Gysi, sagte, er könne nicht akzeptieren, „dass sie nur als Regierungschefin nach Berlin kommen will, Vizechefin von Klaus Wowereit zu werden aber ablehnt und dann lieber im Bundestag bliebe.“ Berlin müsse man „richtig und nicht nur halb wollen“.

Quelle: Berliner Morgenpost

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