#1 S-Bahn Berlin: S-Bahn fuhr Züge ohne Zulassung von Alexander Schmitz 25.03.2010 20:40

avatar

Bei der S-Bahn gibt es eine weitere Sicherheitspanne. Das Unternehmen darf deshalb die bereits aus dem Betrieb genommenen 60 Doppelwagen der Baureihe 485 vorläufig nicht wieder einsetzen. Wie sich jetzt herausstellte, wurden seit 2005 neue Räder in die Fahrzeuge gebaut, ohne das aufsichtsführende Eisenbahn-Bundesamt (EBA) zu informieren.

Zudem waren nach Untersuchungen Räder mit Auffälligkeiten einfach ersetzt worden, ohne nach den Ursachen zu forschen. Auch wenn die Züge nun länger als geplant abgestellt bleiben müssen, will die S-Bahn an ihrem Plan festhalten, Ende des Jahres wieder den Normalfahrplan für alle Linien einführen zu können, wenn auch nur mit meist verkürzten Zügen. Experten bezweifeln, ob der Termin gehalten werden kann.

Die in den 80er Jahren für die S-Bahn im Ostteil der Stadt entwickelten Züge waren zunächst mit gegossenen Rädern gebaut worden. Von 2005 habe man diese dann durch geschmiedete ersetzt, bestätigte EBA-Sprecher Ralph Fischer. Die erforderliche Bauartänderung habe die S-Bahn damals aber nicht beantragt, sondern den Antrag erst vor wenigen Tagen, also nach fast sechs Jahren, eingereicht. Den anschließend geforderten Festigkeitsnachweis der Räder habe die S-Bahn nicht vorlegen können; deshalb dürften die Züge jetzt auch nicht wieder in Betrieb genommen werden. Damit sei zum ersten Mal eine Baureihe komplett aufs Abstellgleise gestellt worden.

Zudem seinen bei den alten Rädern zwischen 2005 und 2009 bei Untersuchungen insgesamt 39 Unregelmäßigkeiten festgestellt worden, sagte Fischer. Statt nach den Ursachen zu forschen, seien die Räder einfach verschrottet und durch neue ersetzt worden. Bei so vielen „Befunden“ hätte die Ursache erforscht werden müssen, heißt es im Eisenbahn-Bundesamt.

Rückkehr zum Normalbetrieb dauert noch länger

Ein Bahnsprecher entgegnete, da entschieden worden war, die Räder zu tauschen, sei es nicht erforderlich gewesen zu ermitteln, warum die alten Probleme haben. Durch den Tausch bei Routineuntersuchungen sei die Sicherheit gewährleistet gewesen. Nicht mehr festzustellen sei, warum die Umstellung auf neue Räder dem EBA nicht mitgeteilt worden sei. Möglicherweise seien die Unterlagen auch nur nicht mehr auffindbar. Vorsichtshalber habe man die Zulassung nun aber förmlich beantragt. Den vom EBA geforderten Festigkeitsnachweis werde man in vier Wochen vorlegen können.
Ob die Räder tatsächlich die Anforderungen erfüllen, muss sich aber noch zeigen. Bei der mit 500 Doppelwagen größten Serie der Baureihe 481 sind die Räder nicht dauerfest und müssen deshalb aufwändig kontrolliert und in kürzeren Abständen als ursprünglich vorgesehen ersetzt werden. Deshalb sind derzeit von dieser Baureihe auch nur 380 Doppelwagen einsetzbar.

Von den Zügen der Reihe 485 ist ein großer Teil bereits verschrottet. 20 seit Jahren abgestellte sogenannte Viertelzüge will die S-Bahn wieder in Betrieb nehmen. Da die eigenen Werkstattkapazitäten verringert worden sind und die Anlagen derzeit zudem völlig ausgelastet sind, müssen dies Drittfirmen übernehmen. Konkrete Angebote gibt es aber noch nicht.

Die S-Bahn benötigt weitere Wagen, weil sie ab Okober 2011 auch auf der vom Bahnhof Schönefeld zum neuen BBI-Flughafen verlängerten Strecke fahren soll – mit Zügen aus acht Wagen.

Quelle: http://www.tagesspiegel.de

#2 RE: S-Bahn Berlin: S-Bahn fuhr Züge ohne Zulassung von Andreas Beeck 25.03.2010 21:53

avatar

Die Sache wird langsam immer unglaublicher... [5]

Dabei sollte die Bahn nach dem ICE Unglück in Eschede doch mehr als gebranntmarkt sein beim Thema Achsen...

#3 RE: S-Bahn Berlin: S-Bahn fuhr Züge ohne Zulassung von Stefan H. 25.03.2010 22:47

Die Sache wird immer unglaublicher, immer unfaßbarer und immer noch schlimmer als in jedem Worst Case Szenario vorausberechnet.

Jedem privaten EVU hätte das Eisenbahnbundesamt den Laden gemacht, die Staatsanwälte hätten Prozesse geführt, daß es knallt, nur bei der DB, da passiert sowas mehr oder weniger folgenlos. Da kann man nur noch mit dem Kopf schütteln.

#4 RE: S-Bahn Berlin: S-Bahn fuhr Züge ohne Zulassung von Alexander Schmitz 10.08.2010 13:25

avatar

Eisenbahn-Bundesamt sieht Fortschritte bei Berliner S-Bahn

Das Eisenbahn-Bundesamt (EBA) hat nach einer zweitägigen Betriebsprüfung bei der S-Bahn Berlin ein positives Fazit gezogen. Das berichtete die «Berliner Zeitung» (Dienstagausgabe). «Wir haben im Vergleich zu früheren Prüfungen Fortschritte feststellen können», sagte der Sprecher der Bundesbehörde, Moritz Huckebrink, dem Blatt.

EBA-Mitabeiter hatten das Tochterunternehmen der Deutschen Bahn am 4. und 5. August besucht. «Wir haben uns die Instandhaltungsprozesse genau angeschaut», erläuterte Huckebrink. Die Vertreter des Bundesamts sahen die Unterlagen durch, in denen die S-Bahn die Wartung ihrer Züge dokumentiert, und statteten Werkstätten Besuche ab, wie es weiter hieß.

Jürgen Konz, seit September 2009 als Geschäftsführer Produktion der S-Bahn für die Technik zuständig, wertete das Ergebnis der Betriebsprüfung dem Bericht zufolge als Erfolg. «Uns wurde mitgeteilt, dass die positiven Erwartungen übertroffen wurden», sagte Konz der Zeitung. Die Prüfer hätten anerkannt, «dass es bei uns nach vorn geht».

Die Berliner müssen seit über einem Jahr Einschränkungen im S-Bahn-Verkehr hinnehmen. Wegen Problemen an Bremsen und Rädern musste ein Großteil der S-Bahn-Flotte in die Werkstätten. Experten sehen die Ursache vor allem in Wartungsmängeln.

Quelle: Berlin Online

#5 RE: S-Bahn Berlin: S-Bahn fuhr Züge ohne Zulassung von Pascal S. 10.08.2010 13:46

Jetzt kann es nur nach vorne gehen! Ich hoffe, die Trendwende geht weiter nach oben und sinkt nicht weiter, ist ja richtig schlimm was dort ablief! Dies sollte auf keinen Fall wiederholt werden!

#6 RE: S-Bahn Berlin: S-Bahn fuhr Züge ohne Zulassung von Alexander Schmitz 20.08.2010 08:23

avatar

Geschäftsbericht enthüllt: S-Bahn rechnete mit Kündigung des Senats

Der Senat hat die S-Bahn nach dem Beginn ihrer Krise mehr geschont als das Unternehmen selbst befürchtet hatte. Das Land verschickte zwei Abmahnungen, verzichtete aber auf den letzten Schritt.

Die S-Bahn war schon auf eine Vertragskündigung durch das Land vorbereitet, die dann aber von Stadtentwicklungssenatorin Ingeborg Junge-Reyer (SPD) Anfang des Jahres ausgeschlossen worden war. Zudem rechnete die S-Bahn damit, dass der Senat den Betrieb nach 2017 komplett ausschreiben würde. Auch darauf hat das Land jedoch verzichtet. Die Drohgebärde habe ausgereicht, um die S-Bahn dazu zu bewegen, den bestehenden Vertrag zu Gunsten des Landes nachzubessern, sagte der Sprecher der Stadtentwicklungsverwaltung, Mathias Gille. Eine Kündigung hätte dagegen zu einem langwierigen juristischen Streit geführt.

Im jetzt veröffentlichten Geschäftsbericht der S-Bahn für das Jahr 2009 heißt es dazu, es habe das Risiko einer außerordentlichen Kündigung des Verkehrsvertrages durch den Besteller bestanden. Der Senat habe mit zwei Abmahnungsschreiben die juristische Voraussetzung für eine solche Kündigung gelegt, dann aber in einer Presseerklärung vom 7. Januar 2010 eine Kündigung des laufenden Verkehrsvertrages „explizit ausgeschlossen“.

Hat der Senat eine Chance vertan?

Um nach einer Vertragskündigung, die auch von der Opposition gefordert worden war, den Betrieb aufrecht erhalten zu können, hätte der Senat die S-Bahn zwingen müssen, weiterzufahren – zu womöglich höheren Kosten, die die S-Bahn dann geltend machen könnte, befürchtete man beim Senat. Eine Kündigung hätte den Druck auf die S-Bahn entscheidend erhöht, ist Engelbert Recker vom Interessenverband Mofair, zu dem sich Wettbewerber der Bahn zusammengeschlossen haben, überzeugt. Nach den enormen Zugausfällen, die es bis heute gibt, hätte es sich das Unternehmen gar nicht leisten können, nach einer Vertragskündigung höhere Preise als zuvor zu verlangen. Hier habe der Senat eine Chance vertan.

Mofair setzt sich auch dafür ein, das gesamte Netz der S-Bahn für den Betrieb nach dem Jahr 2017 auszuschreiben. Der Senat hält dies für nicht möglich, weil dann mehr als 1200 Wagen angeschafft werden müssten. Die Industrie könne bis dahin aber nur knapp 200 liefern. Die Bahn sieht das anders, denn im Geschäftsbericht hat sie sich auch auf eine Komplettausschreibung vorbereitet, weil dann ihre tausend Wagen der Baureihe 481 nicht bis zum Ende ihrer vorgesehenen Nutzungsdauer eingesetzt werden könnten. „Sollte das Gesamtnetz ab 2017 komplett ausgeschrieben und nur mit Neufahrzeugen bedient werden dürfen, muss die Restnutzungsdauer aller betroffenen Fahrzeuge der Baureihe 481 bis zum Jhar 2017 reduziert werden“, heißt es bei den Risikoaussichten im Geschäftsbericht.

Senat will maximal ein Drittel des Netzes ausschreiben

Weil der Senat aber bei einer Ausschreibung nur höchstens ein Drittel des Netzes vergeben will, kann die S-Bahn sicher sein, dass sie auf den anderen Strecken weiter fahren darf und dafür Millionenzuschüsse vom Senat erhalten wird. Ob überhaupt ausgeschrieben wird, will der Senat bis Jahresende entscheiden.

Einnahmen aus dem S-Bahn-Betrieb bleiben dem Bahnkonzern aber auf jeden Fall erhalten. Für die Benutzung der Gleise und Bahnhöfe kassierte der Konzern im vergangenen Jahr rund 250 Millionen Euro, drei Millionen Euro mehr als 2008, obwohl der Verkehr 2009 erheblich eingeschränkt war. Diese Gebühren müssten alle Betreiber des Netzes zahlen.

Der Geschäftsbericht der S-Bahn weist für das vergangene Jahr einen Verlust in Höhe von 92,875 Millionen Euro aus; nach einem Gewinn in Höhe von 56,288 Millionen Euro im Vorjahr. Dazu trägt wesentlich bei, dass das Unternehmen die Rückstellungen in der Bilanz von 70 Millionen Euro auf 156 Millionen Euro erhöht hat. Allein 70,5 Millionen Euro der Rückstellungen sind für „technische Risiken“ und 23,6 Millionen Euro für weitere Entschädigungen für die Fahrgäste vorgesehen. Zurückgegangen sind die Repräsentations- und Reisekosten – von 1,15 Millionen Euro auf 0,9 Millionen Euro.

Quelle: Der Tagesspiegel

Xobor Xobor Community Software
Datenschutz