#1 [NIAG] Bei der Niag herrscht Angst vor Ausschlachtung von Simon D. 07.07.2010 19:45

Moers. Es ist kein schönes Spiel, das da mit den Niag-Mitarbeitern getrieben wird. Wie berichtet bemüht sich Rhenus Veniro, der 51-Prozent-Teilhaber des Kreis Weseler Nahverkehrsunternehmens, darum, trotz bestehenden Kündigungsschutzes 26 Niag-Mitarbeiter per Entschädigungszahlungen loszuwerden.

Rhenus Veniro, der 51-Prozent-Teilhaber des Kreis Weseler Nahverkehrsunternehmens Niag, will sich von Niag-Mitarbeitern trennen. Nach NRZ-Informationen wurden 52 Verwaltungsmitarbeiter angesprochen. Die Angebotssumme für einen Mitarbeiter mittlerer Hierarchie mit 25 Dienstjahren soll bei 75 000 Euro liegen. Rhenus wolle eigenes Personal an diese Stelle setzen. Innerhalb der Belegschaft beäugen sie sich argwöhnisch, es herrschen Misstrauen und Angst. Es gibt nun eine Belegschaftsversammlung.
Miese Stimmung in der Belegschaft

Die Sorge, spätestens 2013 ausgeschlachtet und billig ersetzt zu werden, umtreibt nicht nur die ÖPNV’ler und deren Betriebsrat um Harald Winter. Mancher vermutet das „Modell Minden: plattmachen, rausschmeißen, neu einstellen mit Lohndumping“. Die Niag ist das Thema des Tages, aber kaum einer will genannt werden. Es herrscht Angst, der Druck sei ohnehin immens.

Dabei geht’s ja nicht nur um den Busverkehr. Eine Übernahme der Logistiksparte – Stichwort Häfen – konnte im Aufsichtsrat noch einmal abgewehrt werden. Klar ist aber: In eine Kooperation der Häfen Emmelsum, Rhein-Lippe, Wesel und des Niag-Hafens Orsoy müsste kräftig investiert werden, um sie wirtschaftlich betreiben zu können. Dafür braucht es einen privaten Geldgeber, und den, frohlockte die CDU-Kreistagsfraktion nach einer Hafenbereisung vor zwei Monaten, gebe es ja.

Was die Kreis-SPD in Stellung bringt. „Mit einem Unternehmen, das so arbeitet, wollen wir gar nicht über die Häfen verhandeln“, sagt Sprecher Peter Kiehlmann. Die Anfrage der Genossen zu den Mindener Vorfällen liegt derzeit beim Landrat. Schließlich laufen 2012 einige Buslinien aus und die Befürchtung, Rhenus könne mit Ablauf des Kündigungsschutzes 2013 diese Linien mit Lohndumping-Fahrern besetzen, ist nahezu allgegenwärtig.
Kooperation mit der FH wurde abgeschmettert

Außer bei Niag-Aufsichtsratschef Heinz-Dieter Bartels, gleichsam stellvertretender Landrat (CDU). Der will sich zu Minden nicht äußern, „weil ich keine Einzelheiten des Vertrages kenne“, und hat auch um die Niag wenig Sorgen. Weil: „Es besteht eine Zielvereinbarung, bis 2013 wirtschaftlich zu arbeiten. Das wird gelingen. Eine Kündigungswelle danach sehe ich nicht, weil Rhenus dann vertragsbrüchig würde.“

Von einem Wegfall des Kündigungsschutzes könne nämlich keine Rede sein. Man habe zwar im Kernbereich der Niag Stellen abgebaut, die Zahl inklusive der Töchter aber um fast 100 auf jetzt 676 Stellen erhöht. Und zur Hafenkooperation: „Wer sich im Wettbewerb durchsetzt, erhält den Zuschlag.“

Die Lesart scheint entscheidend in dieser Glaubensfrage zwischen Privatisierung und Interessenschutz der Mitarbeiter. Dabei ist nach NRZ-Informationen auch Bartels bereits ausgebremst worden bei Rhenus Veniro. Er war sich wohl mit Fachhochschuldirektorin Marie-Luise Klotz einig über eine Kooperation mit der Niag. Um eine mit jährlich 50 000 Euro dotierte Stelle, Laufzeit vier Jahre, soll es gegangen sein. Rhenus habe abgelehnt. Begründung: kein Geld. Bartels dazu: „Ich werde hier nicht indiskret.“

Dasselbe Problem hat der Landrat, der seinerzeit entschieden gegen den Vertrag mit Rhenus, damals noch Keolis, war. Er wird sich nun erstmal mit der Anfrage der SPD befassen und gibt freimütig zu: „Unter dem Strich mache ich mir Sorgen um die Niag-Mitarbeiter.“
Für 25 Millionen freigekauft

Rhenus, bei denen am Montag weder in Mainz noch in Moers jemand zu erreichen war, war angetreten, um die Niag in schwarze Zahlen zu führen und die Mitarbeiterzahl zu erhöhen. Dies mit einem Zuschuss der Kommunen, die sich mit 25 Millionen Euro von den Zahlungen an die Niag freikauften und einer Rücklage, die ebenfalls von den Kommunen angehäuft wurde. Die, heißt es, trage erheblich zu den guten Jahresergebnissen bei.



Quelle http://www.derwesten.de/staedte/moers/Be...-id3200657.html

#2 RE: [NIAG] Bei der Niag herrscht Angst vor Ausschlachtung von Robin T. 07.07.2010 20:13

avatar

Das sind leider die Zeichen der Zeit, es geht nur noch darum Kosten zu senken, das Defizit zu reduzieren, und wenn man dafür über Leichen gehen muss, dann sei es so, und die Verantwortung den Mitarbeitern gegnüber? Die bleibt gänzlich auf der Strecke...

#3 RE: [NIAG] Bei der Niag herrscht Angst vor Ausschlachtung von Alexander Schmitz 07.07.2010 22:59

avatar

Von Profit kann man im ÖPNV in Deutschland bei kommunalen Unternehmen kaum reden. Es geht wohl eher darum, das Defizit so weit wie möglich zu senken.

#4 RE: [NIAG] Bei der Niag herrscht Angst vor Ausschlachtung von Marcel Hilgers 07.07.2010 23:00

avatar

Jopp. Innerstädtischer Verkehr ist, bleibt und war immer ein Zuschussgeschäft für die Unternehmen...

#5 RE: [NIAG] Bei der Niag herrscht Angst vor Ausschlachtung von Alexander Schmitz 07.07.2010 23:02

avatar

Nein, das stimmt so nicht. Die Zeiten der Zuschussgeschäfte beginnen in Westdeutschland i.d.R. erst nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges.

#6 RE: [NIAG] Bei der Niag herrscht Angst vor Ausschlachtung von Marcel Hilgers 07.07.2010 23:05

avatar

Sicher, anfangs konnte man noch etwas Geld machen (ansonsten würde es die Betriebe ja nicht geben)...

#7 RE: [NIAG] Bei der Niag herrscht Angst vor Ausschlachtung von Robin T. 08.07.2010 06:22

avatar

Zitat von Alexander Schmitz
Von Profit kann man im ÖPNV in Deutschland bei kommunalen Unternehmen kaum reden. Es geht wohl eher darum, das Defizit so weit wie möglich zu senken.



Richtig. hab mich da falsch ausgedrückt.

#8 RE: [NIAG] Bei der Niag herrscht Angst vor Ausschlachtung von Gabriel Schütze 02.09.2010 09:22

avatar

ich möchte diesen Thead nochmal für die NIAG nutzen. habe zufällig diese Links auf derwesten gefunden.


Niag-Entwicklung : Ein Weg, gepflastert mit Fragen

Moers, 26.08.2010, Michael Passon

Moers. Wer in diesen Tagen Otfried Kinzel sprechen möchte, der landet ziemlich zügig beim Betriebsrat. Zumindest, wenn er Fragen zur derzeitigen Situation der Niederrheinischen Verkehrsbetriebe hat. http://www.derwesten.de/staedte/moers/Ei...-id3611063.html

--------------------------------------------------

NIAG: Angst vor der Endstation

Niederrhein, 26.08.2010, Michael Passon
Wird die NIAG abgebürstet? Foto: Denise Ohms

Wird die NIAG abgebürstet? Foto: Denise Ohms

Am Niederrhein. Die Mitarbeiter verlieren zunehmend das Vertrauen in den Mehrheitseigner Rhenus. Aufsichtsrat Bartels teilt diese Sorge nicht. In der kommenden Woche treffen sich Geschäftsführung und Betriebsrat. http://www.derwesten.de/nrz/niederrhein/...-id3610896.html

#9 RE: [NIAG] Bei der Niag herrscht Angst vor Ausschlachtung von Hubert Podolski 05.09.2010 23:23

avatar

Kein Wunder das wir deutschen keine Kinder mehr bekommen, & in 20 Jahren jammern se wegen fehlenden Nachwuchs [68]

Xobor Xobor Community Software
Datenschutz