#1 S-Bahn Berlin: Enteisung wie beim Flugzeug von Alexander Schmitz 07.10.2010 21:18

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Neues Winterkonzept soll Chaos wie im Vorjahr verhindern

Die S-Bahn sieht sich für den Winter gewappnet. Das Unternehmen präsentierte gestern ein Konzept, mit dem ein Chaos wie im Vorjahr verhindert werden soll. Es widersprach damit auch dem Geschäftsführer des Verkehrsverbundes Berlin-Brandenburg (VBB), Hans-Werner Franz, der am Montag genau davor gewarnt hatte. S-Bahn-Chef Peter Buchner zeigte sich darüber irritiert, die Fahrgäste seien so unnötig alarmiert worden, und der Geschäftsführer Produktion, Jürgen Konz, sprach von Panikmache.

Man habe die Probleme gründlich analysiert und daraus ein Bündel von 25 Maßnahmen geschnürt, so die S-Bahn-Chefs. Demnach tragen die Problemzonen Namen wie Kurzkopplungsstecker oder Kumatorringe, die durch entsprechende Wartung jetzt besser funktionieren sollen. Als Hauptproblem aber hat sich die Anfälligkeit der Fahrmotoren gegen Flugschnee herausgestellt. Durch die gealterte Isolation an bestimmten Bauteilen – den Statoren – sei es zu Kurzschlüssen gekommen, erklärte Konz. 150 Statoren mit einer Laufleistung von mehr als 1,3 Millionen Kilometer seien bereits ausgewechselt worden, bis zum Jahresende sollen an die 300 geschafft sein. Die Auswechslung der restlichen 2700 wird sich aber bis 2014 hinziehen. Für Ausfälle hält das Unternehmen 90 Motoren in Reserve. Buchner räumte ein, dass nur etwa die Hälfte der Maßnahmen zum Winterbeginn abgeschlossen sein werden, da konstruktiver Veränderungen mehr Zeit benötigen.

Eine Methode, um das Einfrieren der Türen zu verhindern, hat sich die S-Bahn bei Enteisen von Flugzeugen abgeschaut: Mit Tragkraftspritzen soll ein spezielles Spray aufgetragen werden. Zum Enteisen von ganzen Zügen reicht das natürlich nicht aus. Dafür wird es u.a. zusätzliche Kapazitäten in den Betriebswerkstätten Erkner und Friedrichsfelde geben, durch den Einsatz von Heizstäben soll das Auftauen, was sonst Stunden dauert, beschleunigt werden. Die Wintervorbereitungen an Weichen und Signalen sollen bis Ende des Monats abgeschlossen sein.

Wann die S-Bahn ihr Angebot verbessert, konnte Bucher auch gestern nicht sagen. Derzeit sind knapp 430 Doppelwagen im Einsatz, 30 weniger als geplant. Solange etwa 40 Züge täglich aus dem Verkehr gezogen müssten, um den Bremssand zu prüfen, und der Tausch der Radsätze nicht begonnen hat, könne man keine genauen Aussagen machen, so Buchner. Bei der wichtigsten Baureihe 481 soll der Tausch »in Kürze« beginnen, bei der Baureihe 485 (»Cola-Dosen«) im November. Von der Baureihe 485 können derzeit lediglich sechs Doppelwagen eingesetzt werden, ursprünglich waren die S-Bahn-Chefs davon ausgegangen, dass zum Jahresende wieder 80 zur Verfügung stehen. Die noch im Juni versprochene Rückkehr zum Normalfahrplan, wofür 500 Doppelwagen benötigt werden, ist somit nicht zu schaffen.

Der Fahrgastverband IGEB bescheinigt dem Unternehmen aber, »alles menschenmögliche« zu tun, um mit einem stabilen Angebot über den Winter zu kommen.

Quelle: Neues Deutschland

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