#1 Bahnprivatisierung kritisiert von Markus Ü. 02.08.2007 13:10

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Vor dem Treffen der Verkehrsminister haben Vertreter mehrerer Bundesländer die Pläne für die Bahnprivatisierung kritisiert. Minister Wittke befürchtet, dass in NRW das Nahverkehrsnetz ausgedünnt wird. Auch sonst wird befürchtet, dass die Gelder bevorzugt in die Fernverkehrsstrecken einfließen werden und der Nahverkehr vernachlässigt wird.
Die wichtigsten Fragen mit Antworten rund um die Privatisierung (Quelle: heute.zdf.de):
Fährt die Bahn in Zukunft noch in alle kleineren Orte?
Während der Regionalverkehr die Hauptsorge des Fahrgastverbandes Pro Bahn bei der Teilprivatisierung ist, hält Professor Jürgen Siegmann, Leiter des Fachgebiets Schienenfahrwege und Bahnbetrieb an der TU Berlin, die Befürchtungen für übertrieben. "Die Länder bestellen und bezahlen den Nahverkehr", erklärt er. Und sie wählten den Betreiber aus, der den geringsten Zuschussbedarf habe.
Während Siegmann daher auf den Betrieb der Strecken keine Auswirkungen sieht, kann er die Länderargumentation in Sachen Instandhaltung des Netzes nachvollziehen. Bei den Verhandlungen über die Privatisierung geht es auch um das Geld, das der Bund für den Erhalt des Schienennetzes an die Bahn zahlt. Hier wollten die Länder zu Recht sicherstellen, dass bestimmte Regionalstrecken berücksichtigt würden, sagt Siegmann, hält aber die Dramatik der Diskussion für übertrieben. "Im Nahverkehr ist keine Katastrophe zu erwarten."
Fahrgastvertreter sehen das kritischer. Die Bahn erhebe als Netzverwalterin Entgelte für die Nutzung der Strecke, erklärt Joachim Kemnitz von Pro Bahn. Die könne sie so erhöhen, dass es sich nicht mehr rechne, dort zu fahren - sei es für die Deutsche Bahn selbst oder ein Konkurrenzunternehmen. "Dann sagt die Bahn, die Strecke lohnt sich nicht, und ein anderer Betreiber lässt sich nicht finden", erklärt Kemnitz.

Werden künftig auf mehr Strecken andere Anbieter fahren?
Schon heute kann im Nahverkehr jeder Anbieter mit der Bahn konkurrieren. "15 bis 20 Prozent des Nahverkehrs werden von Konkurrenzunternehmen betrieben - mit steigender Tendenz", sagt Siegmann. Mit Erfolg: "Die Züge sind sauber, das Angebot super - das sind Vorzeigestrecken."
Ob die Konkurrenz durch die Bahn-Privatisierung einen neuen Schub bekommt, bezweifeln Experten aber. Im Fernverkehr ist der Zugang für Wettbewerber heute deutlich schwieriger als im Nahverkehr, was auch künftig so bleiben soll.

Wird Bahnfahren günstiger?
Angesichts steigender Energie- und Personalkosten ist das eher nicht zu erwarten. Außerdem hängen die Preise davon ab, wie gut der Wettbewerb auf der Schiene funktioniert. Wie schwer fairer Wettbewerb zu erreichen ist, zeigt die Liberalisierung des Strom- und Gasmarktes. Hier zahlen die Verbraucher heute mehr als vor der Privatisierung.

Kommt eine private Bahn pünktlicher?
Offiziell ist derzeit fast jeder zehnte Zug zu spät. Häufigste Ursachen: Baustellen und Langsamfahrstrecken. Pünktlichkeit hängt also vom Zustand der Gleise ab. Kritiker fürchten, der Börsengang werde diesen noch verschlechtern, weil Investitionen vernachlässigt werden könnten, um mehr Gewinn zu machen.

Warum soll die Bahn überhaupt an die Börse?
Bahnchef Hartmut Mehdorn hat aus dem einstigen Staatsbetrieb mit Zukäufen einen großen Verkehrs- und Logistikkonzern geformt. Mit Hilfe privater Investoren soll die Bahn noch wettbewerbsfähiger werden. Die Bahn braucht laut Tiefensee frisches Kapital für Investitionen in Züge und Gleise. Das Geld aus dem Börsengang - geschätzte vier bis sechs Milliarden Euro - soll zwischen Bund und Bahn aufgeteilt werden - zu welchen Teilen, ist noch nicht geklärt.

Wie soll die Bahn privatisiert werden?
Ab 2008 sollen bis zu 49 Prozent der Bahn an private Investoren verkauft werden. Damit die Bahn dann nicht für höheren Profit Gleise und Bahnhöfe verkommen lassen kann, bleiben diese juristisch im Besitz des Bundes, der für die Wartung jährlich 2,5 Milliarden Euro zahlt. Die Bahn darf das 35.000 Kilometer lange Schiennetz aber 15 Jahre lang betreiben.

Nun könnt ihr Stellungnahmen dazu geben.
#2 RE: Bahnprivatisierung kritisiert von Tim Latzke 02.08.2007 13:54

Ich weiss nicht was ich von der Privatisierung halten soll..Ich denke das es gut gehen kann aber auch schwer nach hinten losgehen kann...Was ich aber mit bestimmtheit sagen kann ist das Privatunternehmen ihre Bahnen in einem viel besseren Zustand hält bsp.RB 40 Hagen-Bochum-Essen Der Zustand dieser Linie ist erstklassig die Fahrgastinformation ist klar verständlich und informativ und verspätungen von mehr als einer Minute sind äusserst selten.

#3 RE: Bahnprivatisierung kritisiert von Ehemaliger User 02.08.2007 14:15

Also ich bin ein absoluter Privatisierungskritiker. Das hat einen ganz eifachen Grund: Die Privatunternehmen, abreiten in der Regel für die gleiche Leistung für weniger Geld. Außerdem ist von dem Personal nicht viel zu erwarten. Das beste Beispiel (ist zwar nicht das Thema) ist die Rheinbahn. Dort fahren ich glaube 30 % Privatunternehmen einige Buslinien. Das Personal ist miserabel. Auch bekommen die einfach keine gute Ausbildung. Von einem bekannten die Kinder, fahren morgens immer mit einem Privaten aus Tiefenbroich zur Schule. Der hat sich total verfahren, weil er keine Ausbildung auf der Linie hatte. Okay, das ist noch verständlich. Verfahren kann sich jeder. Aber er hat die ganzen Kinder einfach irgendwo mitten auf der Strecke raus geschmissen. Somit schon wieder ein Beweiß für die Privaten. Aber es gibt auch natürlich wirklich gute Privatunternehmen wie zum Beispiel das Unternehmen Metronom. So, könnte jetzt noch etwas weiter schreiben, habe aber jetzt keine Zeit mehr!

#4 RE: Bahnprivatisierung kritisiert von Marcel Hilgers 02.08.2007 17:13

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Die Bahn kann ruhig privatisiert werden. In schätzungsweise 10 Jahren fahren die eh nur noch Fernverkehr. Angesichts des offenen Wettbewerbes und den zukünftigen zahlreichen Ausschreibungen verliert die DB immer mehr Strecken. In Niedersachsen muss man heute schon suchen, um DB-Regionalzüge zu finden. Metronom und NWB lassen grüßen...

#5 RE: Bahnprivatisierung kritisiert von Marcel M. 02.08.2007 20:06

Also durch die Privatisierung, so wie die jetzt geplant ist, profitieren sicher viele, nur nicht die "Kunden".
Die Fernverkehrskunden evtl, die werden dann auch fleißig dafür bezahlen. für Nahverkehrskunden ändert sich nix, oder es wird noch schlechter.

- Reparaturmaßnahmen werden nicht mehr durchgeführt. Zu Teuer (ist heute schon so)
- Die Züge werden wenn überhaupt notdürftig gereinigt. Zu Teuer (ist heute schon so)
- Die Verspätungsproblematik wird nicht verbessert. Warum auch? Weg kommen die "Kunden" eh nicht. Zu Teuer (ist heute schon so)

Nix neues, aber Strecken, die heute schon zur Disposition stehen, werden dann ganz schnell und unkompliziert stillgelegt.

Es wird ja immer behauptet, das durch die Privatisierung mehr Wettbewerb aufkommt. Solange die Bahn die Gleise verwaltet, die Stellwerke kontrolliert und Gebühren für die Nutzung der Gleise fordern kann, wird sich nix im Bereich Wettbewerb tun.
Wie oft fängt sich die Schwalm-Nette-Bahn in Mg-Rheydt verspätungen weil die solange im Gleis gehalten wird bis die verspäteten Züge Ri. MG durchgefahren sind.

Das gleiche höre ich auch sehr häufig in Düsseldorf-Gerresheim. Wenn da die S8, die kurz vor der privaten S28 Ri. Düsseldorf HBF 10min verspätung hat, wird die S28 solange da gehalten bis die S8 durch ist. Wo ist das Wettbewerb?

Tut mir leid, aber ich halte davon überhaupt nix.
In den Großstädten wirds vielleicht anders sein, aber in Außenregionen wie hier in Mg ist es jetzt schon eine Katastrophe, das wird durch die Privatisierung sicher nicht besser.

#6 RE: Bahnprivatisierung kritisiert von Tim Latzke 02.08.2007 23:36

privatisierung ja solange das Bahn NETZ und die Stellwerke in staatlicher Hand bleiben und auch vom staat gepflegt werden.Dann kann der Staat zwar gebühren für die Nutzung verlangen allerdings gleich viel für alle.So käme richtig wettberwerb in den Laden

#7 RE: Bahnprivatisierung kritisiert von Ehemaliger User 05.08.2007 13:42

Ich kann da irgendwie keine Kritik zu nehmen, da ich auch nicht abhängig bin von der DB Regio NRW. Ich glaub schon das so kleine einspurige Strecken ohne Oberleitung in Sauerland schon still gelegt werden (wir haben in Sauerland eine Ferienwohnunh und in nächsten Dorf ist so eine Strecke), da meines Wissen nachs nur stündlich Züge fahren und meistens hält nur jeder zweite in den Dörfern. Ich glaube in VRR wird keine Strecke stillgelegt, nur bei der S6 D-Derendorf nach Essen Hbf die Strecke bin ich schon ein wenig kritiker. Das selbe auch mit der S9 W-Vohwinkel nach Essen Hbf die Strecke. Aber ich glaube eher nicht, das die stillgelegt werden. Falls dies der Fall sein sollte, wird sich bestimmt auch kein Privatunternehmen diese Strecke übernehmen, das wird sich dann nicht lohnen.

#8 RE: Bahnprivatisierung kritisiert von Alexander Schmitz 19.09.2007 10:28

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Das ZDF sendet dazu:
http://www.zdf.de/ZDFmediathek/content/273554?inPopup=true

#9 RE: Bahnprivatisierung kritisiert von Alexander Schmitz 19.09.2007 14:23

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Die Borkener Zeitung schreibt:
"Land fürchtet: Fläche wird abgekoppelt
Das Land malt derzeit Schreckensgemälde an die Wand, wenn es um die Privatisierung der Bahn geht. Bis zu 10.000 Kilometer Strecke seien gefährdet, Bahnhöfe müssten möglicherweise geschlossen werden, die Länder bis zum Jahr 2011 eine Milliarde Euro mehr für ihren Regionalverkehr ausgeben, warnt NRW-Verkehrsminister Oliver Wittke. Sein Fazit: "Die Fläche wird von der Bahn abgekoppelt." Grundlage dafür ist ein Gutachten, das drei Bundesländer in Auftrag gegeben hatten. Die Bewertungen der Länderminister, werden von der Bahn bestritten. Droht dennoch bei einer Privatisierung das Aus für Bahnhöfe im Kreis Borken?

Bundestagsabgeordneter Johannes Röring (CDU) befürwortet im Grundsatz eine Privatisierung. Er, wie auch die CDU-Bundestagsfraktion, will aber keinen "integrierten Konzern" Deutsche Bahn, der Betrieb und Netz als Eigentümer vereint. "Wir wollen Wettbewerb auf der Schiene."

Bei den Beratungen gelte derzeit "Gründlichkeit vor Schnelligkeit". Darüber sei man sich gestern in der Fraktionssitzung der CDU einig gewesen. Was Röring umtreibt, ist die Frage, wie eine Privatisierung aussehen kann, die für den Investor betriebswirtschaftlich interessant ist, aber auch das Allgemeinwohl fördert. Dazu ist aus seiner Sicht eine starke Regulierungsbehörde unbedingt notwendig, damit Trassenpreise später nicht zum Ausschluss von Konkurrenten führen oder die Öffentliche Hand den Fahrbetrieb noch stärker subventionieren muss als bisher. Das Netz dürfe nicht nach Rendite-Gesichtspunkten betrachtet werden.

Röring erinnert daran, dass 50 Prozent der Bundesbürger im ländlichen Raum leben. Für sie gelte es auch bei einer privatisierten Bahn ein attraktives Angebot auf der Schiene aufrecht zu erhalten.

Auch Bundestagsabgeordneter Christoph Pries (SPD) hält die Bahn-Privatisierung grundsätzlich für eine gute Sache, weil das Verkehrsunternehmen so Mittel erhalte, um in Schienen, Lokomotiven und Waggons investieren zu können.

60 Milliarden seien nötig, um die Bahn für den europaweiten Wettbewerb im Jahr 2010 aufzustellen. "Was wir nicht brauchen, sind Investoren, die nur auf Rendite aus sind. Sie müssen die Wachstumschancen sehen." Der Bundestagsabgeordnete verweist darauf, dass einer privatisierten Bahn Schienennetz und Bahnhöfe nur für eine Dauer von 15 Jahren übertragen werden sollen - das Heft werde so nicht aus der Hand gegeben.

Im Gegensatz zu Röring hält es Pries für wichtig, dass die Bahn ein integrierter Konzern bleibt, es keine Trennung von Netz und Betrieb gibt. Von der Idee einer "Volksaktie" für die Bahn, um "Heuschrecken" gar nicht erst die Chance zu geben, das Unternehmen auszuweiden, hält Pries nicht viel. Denn der Bürger erwarte eine eher schnelle Rendite, dieses Geld fehle der Bahn wieder. Insgesamt müsse man bereit sein, Strecken zu schützen - auch wenn sie Verluste schreiben, meint der SPD-Abgeordnete."

Quelle: http://www.westline.de
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