#1 Zugbegleiter Beleidigt, bespuckt, angegriffen von Justus P. 19.10.2010 16:26

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Um sich vor Übergriffen zu wehren, dürfen Zugbegleiter der Bahn falsche Namen benutzen. Per Rundschreiben kam die Mitteilung, dass auf den Namensschildern an den Dienstuniformen Pseudonyme stehen dürfen.

Berlin/Frankfurt –
Aylin Yildiz sitzt im ICE und häkelt. Nur daran, sagt die DB-Zugbegleiterin augenzwinkernd zu ihrem Kollegen Boris Rakitic (Namen geändert), könne er erkennen, woher sie stammt. Nach Dienstschluss unterhalten sich die beiden Bahnmitarbeiter über ihre Herkunft: Er kommt aus Bosnien, sie aus der Türkei. Yildiz’ Sprache verrät das nicht, ihr Hochdeutsch ist perfekt. „Nenn dich im Zug doch künftig Schmidt“, empfiehlt der Kollege.

Solche Namensänderungen sind bei der Bahn jetzt ausdrücklich erlaubt. Per Rundschreiben kam die Mitteilung, dass auf den Namensschildern an den Dienstuniformen Pseudonyme stehen dürfen. Zu ihrem eigenen Schutz, erklärt eine Bahnsprecherin. Beschimpfungen, Beleidigungen, Androhung von Gewalt – „für viele unserer Mitarbeiter ist das leider oftmals der Arbeitsalltag“.

Vor allem im Regionalverkehr lebten Zugbegleiter gefährlich, weil dort die Übergriffe besonders zahlreich und zum Teil sehr brutal seien. Auf einem Bahnhof im Kreis Erlangen (Bayern) wurde vor einigen Wochen eine Zugbegleiterin hinterrücks auf den Kopf geschlagen. Der Lokführer fand sie bewusstlos am Bahnsteig. Im Kreis Lichtenfeld (ebenfalls Bayern) traten zwei Jugendliche einen Schaffner aus dem Abteil, weil er sie beim Schwarzfahren erwischt hatte. Zwei von vielen Beispielen.

„Jährlich werden mehr als 800 Körperverletzungen gegenüber DB-Mitarbeiter angezeigt“, sagt der Sprecher der Bundespolizei, Kristian Veil. Höhepunkt waren 865 Anzeigen 2008. Im vorigen Jahr waren es 836. In diesem Jahr wurden laut Bundespolizei bis Ende August 413 Anzeigen gemeldet. Die Palette der Übergriffe reicht von verbalen Pöbeleien über Körperverletzung bis hin zu Sachbeschädigung oder zu Beschimpfungen von Bahnmitarbeitern mit Migrationshintergrund. „Viele Delikte werden gar nicht erst angezeigt“, sagt die Bahnsprecherin. „Das gilt vor allem für Beleidigungen, Beschimpfungen, Bespucken und anderes – also keine unmittelbaren Rohheitsdelikte –, die im Alltag unserer Mitarbeiter fraglos eine Belastung sind, aber selten zur Anzeige kommen.“

Die Gewerkschaft Transnet hat beobachtet, dass auch Fälle sexueller Belästigung von Mitarbeiterinnen deutlich gestiegen sind. Nicht selten seien Beschäftigte zudem Telefonterror ausgesetzt. Reisende würden sich den Namen des Bahnmitarbeiters merken, die Telefonnummer ausfindig machen und ihn dann belästigen. „Wir sind deshalb froh, dass Mitarbeiter, die es möchten, ein Pseudonym auf ihrem Namensschild angeben dürfen. Das ist ein langjährige Forderung von uns“, sagt Transnet-Sprecher Oliver Kaufhold. Im Regionalverkehr gilt die Regelung bereits seit 2009. „Wir werden sie nun auch auf den Fernverkehr ausdehnen“, kündigt die Bahnsprecherin an.

In den meisten Fällen werden Zugbegleiter von angetrunkenen Passagieren, Fußballfans oder Schwarzfahrern beschimpft. Bundespolizeisprecher Veil sieht darin auch ein gesamtgesellschaftliches Problem: „Der Respekt voreinander sinkt. Es gibt leider viele, die meinen, sie müssten eine Dienstleistung wie die Bahnfahrt einfach nicht bezahlen.“
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Quelle: http://www.fr-online.de/wirtschaft/belei...64/-/index.html


Edit: Quelle genannt.

#2 RE: Zugbegleiter Beleidigt, bespuckt, angegriffen von Alexander Schmitz 19.10.2010 16:50

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Ein hoffentlich wirksamer Schutz/
...

#3 RE: Zugbegleiter Beleidigt, bespuckt, angegriffen von Marcel Hilgers 19.10.2010 16:53

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Ich hoffe es auch...allerdings finde ich das in dem Sinne der Kundenbeschwerden nicht in Ordnung, wenn man den Namen zum Beschweren nicht mehr nutzen kann. Aber dafür gibt's ja auch andere Wege...

#4 RE: Zugbegleiter Beleidigt, bespuckt, angegriffen von Alexander Schmitz 19.10.2010 19:50

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Doch, das wird noch funktionieren. Denn auch anhand von Datum, Uhrzeit und Ort lässt sich nachvollziehen, wer auf dem Zug Dienst tat. Außerdem müssen Dokumente selbstverständlich mit dem richtigen Namen unterschrieben werden.

#5 RE: Zugbegleiter Beleidigt, bespuckt, angegriffen von Marcel Hilgers 19.10.2010 20:17

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Ja, ok...das stimmt wohl...

Du sitzt in Düsseldorf dann bald als Max Mustermann am Schalter?

#6 RE: Zugbegleiter Beleidigt, bespuckt, angegriffen von Alexander Schmitz 19.10.2010 20:27

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Jop, für eine Woche im Januar, aber am Service-Point... ;-)

#7 RE: Zugbegleiter Beleidigt, bespuckt, angegriffen von Marcel Hilgers 19.10.2010 20:45

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Achso...haben die dann andere Namen? ;-D

#8 RE: Zugbegleiter Beleidigt, bespuckt, angegriffen von Alexander Schmitz 19.10.2010 20:46

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In aller Regel nicht.

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