#1 „Bahnhofsausbau in Köln kommt“ - Interview von KSTA von Justus P. 14.11.2010 12:42

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Der Ausbau des Bahnknotens Köln wird untersucht, die Finanzierung ist allerdings noch völlig unklar. Norbert Reinkober vom Nahverkehr Rheinland spricht im Interview mit Peter Berger über die massiven Kürzungen bei Bahnprojekten.

Köln - Herr Reinkober, am Donnerstag hat Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer neun von 38 Schienenausbau-Projekten aus dem Bedarfsplan gestrichen. Hat Sie das überrascht?


NORBERT REINKOBER: Nein. Der so genannte Netzbeirat der DB Netz AG hat im Verkehrsausschuss des Bundestags schon vor einigen Wochen klar gestellt, dass die Finanzierung aller Projekte, die aktuell im Bundesverkehrswegeplan stehen, alle Gelder bis zum Jahr 2043 bindet. Und da sind zu erwartende Kostensteigerungen wie bei Stuttgart 21 noch gar nicht enthalten.

Was bedeutet das für den Ausbau des Bahnknotens Köln und den Rhein-Ruhr-Express? Werden beide Projekte für Stuttgart 21 geopfert?

REINKOBER: Beide Projekte sind bisher ja noch nicht einmal in den Bedarfsplan aufgenommen worden. Insofern verändert sich ihr Status nicht.

NRW-Verkehrsminister Harry Kurt Voigtsberger war dennoch ziemlich entsetzt. Die Bedürfnisse Hunderttausender Pendler würden ignoriert.

REINKOBER: Das sehe ich genauso. Allerdings gibt es ja auch Anlass zur Hoffnung.

Warum?

REINKOBER: Weil alle Schienenprojekte jetzt noch einmal auf ihr Kosten-Nutzen-Verhältnis überprüft werden. Da könnte es ja sein, dass Projekte rausfallen, die politisch gewollt waren, aber den Faktor eins unterschreiten.

Was bedeutet Faktor eins?

REINKOBER: Dass für jeden investierten Euro ein Euro an volkswirtschaftlichem Nutzen zurückfließen muss.

Ist das beim Bahnknoten Köln der Fall?

REINKOBER: Das lässt sich ohne genaue Untersuchung so pauschal nicht beantworten.

Konkret gefragt: Sind der Ausbau des Hauptbahnhofs und des Bahnhofs Köln-Messe / Deutz auch gefährdet?

REINKOBER: Danach sieht es bisher nicht aus. Wie planen, im Zuge des Ausbaus der S 11 beide Bahnhöfe wie bisher geplant bis 2019 um S-Bahnsteige und zwei Gleise zu erweitern. Das kommt. Derzeit wird der Nutzen-Kosten-Faktor errechnet. Der dürfte kein Problem darstellen.

Kommen wir zum Rhein-Ruhr-Express. Tausenden Pendlern wäre doch schon geholfen, wenn der Ausbau der Gleise rund um Leverkusen endlich in Angriff genommen würde. Warum müssen es immer solche Großprojekte sein, aus denen dann doch nichts wird?

REINKOBER: Erstens: Die Beseitigung der Engpässe zwischen Köln und Düsseldorf wäre wirklich ein Riesenschritt. Dann könnten wir endlich den Regionalverkehr ausbauen und im 20-Minuten-Takt fahren. So müssen wir uns damit behelfen, einen weiteren Wagen anzuhängen.

Und zweitens?

REINKOBER: Leider steht das deutsche Planungs- und Förderrecht einer solchen Lösung im Wege. Projekte wie der Rhein-Ruhr-Express werden immer als Gesamtmaßnahmen bewertet, wenn es um den Nutzen-Kosten-Faktor geht. Da ist es schwierig, ein Teilprojekt herauszunehmen und vorab zu finanzieren. Auch wenn das in diesem Fall äußerst sinnvoll wäre.

Könnte man beim Bahnknoten nicht auch so vorgehen?

REINKOBER: Natürlich. Was den Bahnknoten Köln angeht, wird derzeit eine Gesamtuntersuchung mit der DB Netz erstellt, deren Ergebnisse im Frühjahr 2011 vorliegen werden. Dann wissen wir, wo die Schwachstellen im Knoten Köln sind.

Und die bleiben dann bis 2043.

REINKOBER: Das werden wir uns angesichts der Zunahme allein beim Güterverkehr um 65 Prozent auf der Schiene und 115 Prozent auf der Straße im Großraum Köln in den nächsten 20 Jahren wohl kaum leisten können.

Was sind die dringendsten Probleme?

REINKOBER: Wir müssen da ausbauen, wo Güterverkehr, Nah- und Fernverkehr sich gegenseitig behindern. Das ist beim Ausbau der ICE-Trasse von Köln nach Frankfurt an der Steinstraße der Fall. Dort müssen wir Güter- und Fernverkehr trennen. Dann brauchen dringend wir den Ausbau der S 13 Richtung Bonn und Oberkassel. Und der Lärmschutz an der Rheinstrecke muss angesichts des zunehmenden Güterverkehrs dringend in Angriff genommen werden.

Das Gespräch führte Peter Berger

Quelle: www.ksta.de

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