#1 Eisenbahnjubiläum: Heute vor 175 Jahren dampfte der "Adler" von Alexander Schmitz 07.12.2010 11:26

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Für die Deutsche Bahn geht ein wichtiges Jahr mit vielen Ausstellungen und Sonderfahrten zu Ende: Heute vor genau 175 Jahren fuhr zum ersten Mal eine Eisenbahn auf deutschem Boden. Am Abend findet deshalb ein großer Festakt in Nürnberg statt - dazu kommt auch die Bundeskanzlerin.

Die Deutsche Bahn hat Angela Merkel und zahlreiche andere Gäste nach Nürnberg eingeladen. Für die Feierlichkeiten wurde mit großem Aufwand eine überdachte Verbindung vom DB-Museum zum Nürnberger Schauspielhaus aufgebaut. Dort werden am Abend Bundeskanzlerin Merkel sowie Bahn-Chef Rüdiger Grube ihre Festreden halten. Die Veranstaltung bildet den Höhepunkt der Jubiläumsfeierlichkeiten, die bereits das ganze Jahr hindurch stattgefunden haben. "Die Gesamtkosten aller Veranstaltungen liegen im unteren einstelligen Millionenbereich", erläuterte ein Bahnsprecher. Damit betrügen die Kosten nur ein Fünftel dessen, was 1985 für das 150-jährige Jubiläum ausgegeben worden sei.

Historischer Boden

Von Nürnberg aus hatte sich am 7. Dezember 1835 der Adler in Richtung Fürth in Bewegung gesetzt und damit das Eisenbahnzeitalter in Deutschland eröffnet. Keiner wollte seinerzeit verpassen, wie Deutschlands erste Dampfeisenbahn auf den Gleisen rollte. Tausende machten sich auf den Weg zum damaligen Bahnhof am Plärrer. Das Militär musste die Leute davon abhalten, auf die Gleise zu rennen, um den Adler zu berühren oder ein Souvenir von der Lok abzuschrauben.

"Dickköpfe" bringen die Bahn nach Deutschland

Dabei war König Ludwig I. im Jahre 1835 eigentlich gar nicht an der Eisenbahn interessiert. Die Reichsstadt Nürnberg war außerdem hoch verschuldet und wäre alleine nicht in der Lage gewesen, die Eisenbahn zu finanzieren. Nur ein paar "dickköpfige" Franken waren von der neuen Technologie derart überzeugt, dass sie sämtliche Widerstände überwanden und von vielen aufgeschlossenen Geldgebern Unterstützung erhielten.

Von sechs auf 60.000 Kilometer

Die Eisenbahn revolutionierte nicht nur den Personen- und Gütertransport, sondern stieß die Entwicklung Deutschlands von der Agrar- zur Industrienation an. Die "Ludwigsbahn" zwischen Nürnberg und Fürth etwa prägt die Region bis heute. Ein Beispiel dafür ist die Fürther Straße: Aufgrund der Eisenbahnstrecke entwickelte sie sich zur Wirtschaftsmeile und zum industriellen Rückgrat der Städte Nürnberg und Fürth. Innerhalb von fünf Jahren wurden aus den sechs Schienenkilometern zwischen den fränkischen Städten 500 in ganz Deutschland. Kurz vor dem ersten Weltkrieg umfasste das Schienennetz auf seinem Höhepunkt beinahe 60.000 Kilometer.

Von 30 auf 300 Stundenkilometer

Schon immer war bei der Bahn die Geschwindigkeit das Maß aller Dinge. Der Adler fuhr normalerweise mit 30 Stundenkilometern zwischen Fürth und Nürnberg hin und her. Besonders begehrt waren bei Zugreisenden aber die extra anberaumten "Hochgeschwindigkeitsfahrten", bei denen die Dampflokomotive bis zu 70 Stundenkilometer erreichte. 175 Jahre später donnern ICEs mit Tempo 300 durch die Lande.

Per Zug zur Gaskammer

Die Geschichte der Bahn hat in Deutschland auch ein überaus dunkles Kapitel: Von 1933 bis 1945 wurden auf der Schiene nicht nur Soldaten und Munition an die Front, sondern auch Juden und Angehörige von Minderheiten in die Konzentrations- und Vernichtungslager transportiert. Auch bei der Deutschen Bahn ist die Rolle der Reichsbahn während des Dritten Reichs unumstritten. "Ohne die tätige Mithilfe der Reichsbahn hätte der Holocaust in dieser Dimension nicht stattfinden können", sagt der Bahnhistoriker Rainer Mertens.

"Zug der Erinnerungen" demonstriert in Nürnberg

Aus diesem Grund hat der Verein "Zug der Erinnerung" mit Überlebenden der Deportationen im Dritten Reich am Samstag (04.12.10) vor dem DB-Museum in Nürnberg für Entschädigungszahlungen demonstriert. "Die Deutsche Reichsbahn hat bei den Deportationen rund 445 Millionen Euro eingenommen - die Deportierten mussten ihre Fahrt in den Tod nämlich selbst bezahlen", sagte der Vorstandssprecher des Vereins, Hans-Rüdiger Minow. "Wir erwarten, dass diese Menschen auch materiell ihren Traumata entsprechend Hilfe bekommen." Davon will die Bahn aber nichts wissen: "Eine individuelle Entschädigung durch die Deutsche Bahn kann es nicht geben, da sind wir nicht der richtige Adressat", so ein Unternehmenssprecher. "Die DB ist ja nicht der Rechtsnachfolger der Reichsbahn." Dennoch habe die Bahn einen mehrstelligen Millionenbetrag an die Stiftung "Erinnerung, Verantwortung und Zukunft" gezahlt. Auch der "Zug der Erinnerung" sei finanziell unterstützt worden.

Ein Video dazu: http://www.br-online.de/bayerisches-fern...91658871958.xml

Quelle: Bayerischer Rundfunk

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