#1 Ludwigsburg diskutiert über Stadtbahn von Rolf Aretz 20.07.2016 22:44

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Kreis Ludwigsburg
Der Landrat drückt aufs Tempo: noch in diesem Jahr müsse Ludwigsburg entscheiden,
ob man eine Bahntrasse quer durch Stadt und Kreis befürwortet. Beim dortigen
Baubürgermeister rennt er damit offene Türen ein.

Worte können mächtige Verbündete sein. Und deshalb achtet der Ludwigsburger Landrat Rainer
Haas auch genau darauf, was er sagt, wenn er über eine Stadtbahn zwischen Remseck, Ludwigs-
burg und Markgröningen spricht. Just das Wörtchen „Stadtbahn“ kommt ihm neuerdings seltener
über die Lippen. Er spricht lieber von einer „Verlängerung der SSB über Pattonville bis Ludwigsburg
mit Anbindungsoption bis Markgröningen“. Warum er das tut? Er hofft darauf, dass der Ludwigs-
burger Gemeinderat sich einen Ruck gibt und noch in diesem Jahr einer Verlängerung der
Stuttgarter Straßenbahnen bis in die Barockstadt zustimmt.

Noch immer nämlich sind in der Ludwigsburger Kommunalpolitik viele Alternativmodelle im Gespräch:
Können komfortable Elektrobusse nach dem Straßburger Vorbild eine Stadtbahn ersetzen? Wäre eine
Niederflurstadtbahn, wie es sie ebenfalls in Straßburg gibt, nicht viel verträglicher für das Stadtbild als
eine SSB-Hochflurbahn mit ihrem enorm großen Wenderadius? Wie könnte eine Seilbahn als Ergänzung
des Nahverkehrs in der Stadt Entlastung für die Straßen bringen?

„Wir gehen in die entscheidende Phase“

So wichtig solche Fragen auch seien – der Landrat macht keinen Hehl daraus, dass in Sachen Stadtbahn
baldmöglichst eine Entscheidung her muss. „Wir gehen da jetzt in die entscheidende Phase“, sagt Haas.
Noch in diesem Jahr müsse beim Land der Antrag auf Förderung des mit 200 Millionen Euro veranschlagten
Projektes gestellt werden, „sonst wird das Förderprogramm schnell überbucht sein“.

Zwar sei noch nicht ausgemacht, dass der Bund erneut Fördermittel für solche Projekte freigibt, die Chancen
stünden jedoch gut, meint der Landrat. Wenn der Landkreis und die Kommunen Ludwigsburg, Markgröningen,
Möglingen und Remseck rechtzeitig einen Antrag – und zwar einen mit einer möglichst präzise beschriebenen
Trasse – stellten, dann könne man auf eine bis zu 80-prozentige Förderquote hoffen. „Damit läge unser
Eigenanteil bei 50 Millionen Euro“, sagt Haas – eigentlich viel Geld, aber für ein solches Mammutprojekt
sei das sehr preiswert.

„Bahnhof und Schillerdurchlass bleiben Knackpunkte“

Nun fürchtet Haas allerdings, dass die Diskussion im Ludwigsburger Gemeinderat „zerfasern könnte“.
Wenn die Stadt erst alle Alternativen und Ergänzungen im örtlichen Verkehrsnetz gutachterlich prüfen
lasse, laufe die Zeit für einen konkreten Förderantrag womöglich ab. Er habe „das Bauchgefühl,
dass es kommunalpolitische Kräfte in Ludwigsburg gibt, die genau darauf hinwirken“.

Der Ludwigsburger Baubürgermeister Michael Ilk sieht diese Gefahr nicht. Er gibt allerdings zu, dass in der
Stadtpolitik durchaus kontrovers diskutiert werde – vor allem, weil manche Ideen, die der Landkreis vorschlage,
um die Stadtbahn voranzubringen, nicht ganz so leicht umsetzbar seien. „Der Bahnhof und der Schillerdurchlass
bleiben die Knackpunkte“, sagt Ilk. Die Idee des Landrats, die Stadtbahn einfach im Tunnel unter dem Bahnhof
fahren zu lassen, habe zwar zweifellos Charme. Doch dort führen täglich immerhin 6000 bis 8000 Fahrzeuge,
„die müssen wir dann woanders unterbringen“. Er halte es zudem für sinnvoller, den Schillerdurchlass für
die SSB zu verbreitern als, wie vom Landrat angedacht, einen Tunnel daneben zu bauen.

„Wollen der Stadtbahn zum Durchbruch verhelfen“

Ihm sei aber klar, dass die Zeit drängt. „Wir sind trotz allem gewillt, der Stadtbahn zum Durchbruch zu
verhelfen“, sagt der Baubürgermeister. Er sieht in der SSB-Variante die beste Lösung. Die Betriebskosten
seien deutlich geringer als bei einer Niederflurvariante, für die ein Betriebshof, Reservezüge und ein Betreiber
nötig wären. Zudem hoffe er darauf, mit der SSB Kunden aus dem Stuttgarter Norden zum Shopping nach
Ludwigsburg locken zu können. Ein Elektrobus sei als Ergänzung gut, habe jedoch Defizite beim Fahrkomfort.

Bis zum Herbst sollten dennoch Niederflurbahn und Elektrobusse vertieft geprüft werden, „weil wir
die Varianten auf Augenhöhe diskutieren wollen“. Dann stehe die Entscheidung an – allerdings nicht
ohne zuvor die Öffentlichkeit zu beteiligen. Am 12. Oktober sei ein Informationsabend zum Thema
Stadtbahn geplant, sagt Ilk.

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