Die Bahn erntet für das Köpferollen im Güterverkehr Lob und Tadel. Während sich die Oppositionsparteien Grüne und BZÖ zufrieden zeigen, kommt von Bahnaktivisten scharfe Kritik. Für Kopfschütteln sorgt insbesondere, dass künftig der Anteil der auf der Schiene transportierten Güter reduziert werden soll.
Zuvor hatte Bahn-Chef Christian Kern ein tiefgreifendes Restrukturierungskonzept für die ÖBB-Gütersparte Rail Cargo Austria (RCA) vorgelegt. Durch das Gegensteuern soll die RCA das Minus, das auch für das kommende Jahr droht, zunächst verringern. Für 2012 wird nach den neuen Plänen ein operatives Plus von 37 Millionen Euro erwartet. Nach dem alten Businessplan – aus der Zeit der seit Donnerstag als Vorstände abgelösten Bahnmanager Friedrich Macher und Günther Riessland – hätte der ohnehin schwer angeschlagene Güterverkehr 2012 ein Minus von 64 Millionen Euro verkraften müssen.
Für die Sanierung ist unter anderem der Abbau von 1000 Mitarbeitern in Ungarn und 150 Leasingkräften im Inland notwendig. Vom Staat erhoffen sich die ÖBB einen Beitrag von rund 400 Millionen Euro als Ausgleich für Bilanzrückstellungen, die wegen der Umschulung von rund 650 Beschäftigten erforderlich sind. Ansonsten müssten diese in Frühpension geschickt werden.
"Fällige" Sanierung
Das Durchgreifen des Bahn-Chefs sei "fällig und unvermeidlich" gewesen, betont Grünen-Verkehrssprecherin Gabriela Moser. Kern handle "damit einmal durchaus positiv", aber spät, erklärt Christoph Hagen vom BZÖ.
Die ÖBB-Ankündigung, RCA-Verladestellen schließen zu wollen, sorgt etwa bei der Bahn- und Fahrgastinitiative Probahn für Irritation. Die Reduktion von Papier-, Holz- und anderen Massentransporten auf der Schiene sei umweltpolitisch nicht sinnvoll, warnt Probahn. Dem VCÖ zufolge drohen Österreich neue "Lkw-Lawinen".
Quelle: Wiener Zeitung