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Verkehrsbetriebe Minden-Ravensberg stellen Insolvenzantrag
Verkehrsbetriebe Minden-Ravensberg stellen Insolvenzantrag
in Ostwestfalen 21.01.2011 12:24von Alexander Schmitz • Moderator |
Die Verkehrsbetriebe Minden-Ravensberg (VMR) sind pleite. Das Unternehmen hat am Dienstag den Insolvenzantrag gestellt. Bis wann die Busse in Herford und Minden-Lübbecke fahren können und die Mitarbeiter ihre Löhne bekommen, muss der Insolvenzverwalter entscheiden.
VMR hatte bereits im Sommer 2010 die Betriebsstilllegung zum 30. Juni 2011 angekündigt. Bis dahin sollte es eine geordnete Abwicklung geben. Ob das Verkehrsunternehmen, das 2007 von Rhenus Veniro übernommen wurde, bis dahin durchhalten kann, hängt von der Strategie des Insolvenzverwalters ab. Vom Amtsgericht Bielefeld wurde der Herforder Jurist Hans-Achim Ernst bestimmt.
Als Gründe für den Insolvenzantrag nannte VMR-Geschäftsführer Wolfgang Orth die Überschuldung durch hohe Verluste, die Anfang Dezember nach seiner Auskunft noch nicht absehbar gewesen seien. Zu dem Zeitpunkt hatten sich Arbeitgeber und Arbeitnehmer noch auf ein Schlichtungsgespräch im Düsseldorfer Arbeitsministerium geeinigt, in dem im Tarifkonflikt um einen Sozialplan vermittelt werden sollte. Dieses Gespräch - geplant für Mittwoch - hatte Orth am Montag abgesagt. In einer Mitarbeiterversammlung gestern in Herford nannte er erstmals die Gründe dafür.
Die Überschuldung der VMR habe in den letzten Wochen Ausmaße angenommen, die den Schritt zum Amtsgericht notwendig gemacht hätten. »Erst im Dezember hat ein Gutachten ergeben, dass wir für unsere betriebliche Rentenkasse 300 000 Euro mehr einzahlen müssen als kalkuliert. Dann hat der Streik uns zugesetzt und auch die steigenden Spritpreise«, begründete Orth die Überschuldung. Die notwendige Liquidität aber sei zumindest für die Aufrechterhaltung des Busverkehrs vorhanden. Orth: »Der Fahrgast wird nichts merken.« Auch für die Belegschaft soll sich kurzfristig nichts ändern.
Der Insolvenzverwalter Hans-Achim Ernst war gestern für eine persönliche Stellungnahme nicht erreichbar. Er soll aber laut Verdi-Geschäftsführer Werner Linnemann mitgeteilt haben, dass nach der ersten Sichtung der Bilanzen die Gehälter bis Juni gesichert seien. Am 11. Juni soll bekanntlich zum letzten Mal ein VMR-Bus rollen.
Dass es überhaupt zu einer Aufgabe der Verkehrsbetriebe kommen konnte, sieht Wolfgang Orth auch in der falschen Einschätzung des regionalen ÖPNV-Wettbewerbs, den er als »ruinös« bezeichnet. Man habe Vorschläge für marktgerechte Bedingungen des Busverkehrs gemacht und mit dem Aufgabenträger, den Kreisen Herford und Minden-Lübbecke, sowie der Politik nach Auswegen gesucht. Orth: »Alle Vorschläge wurden nicht mitgetragen. Die Kreise zum Beispiel lehnten eine kommunale Beteiligung am ÖPNV ab.« Weil auch der Vermieter der beiden Betriebshöfe in Herford und Minden, Eon Westfalen-Weser, nicht mit der Pacht heruntergehen wollte, habe VMR eigenmächtig die Pacht gekürzt - auf einen Euro pro Monat und das seit Sommer 2010.
Belegschaft blickt in ungewisse Zukunft
Von Bärbel Hillebrenner
Herford (HK). Mehr als 100 Mitarbeiter der VMR stehen in der kalten Halle auf dem Betriebshof an der Goebenstraße. Einige schauen nur noch resigniert zu Boden, andere diskutieren heftig. »Viel weiter unter die Gürtellinie geht es nicht«, sagt Betriebsratsvorsitzender Martin Wiese. Er kann seine Kollegen kaum beschwichtigen. »Wie soll es weitergehen nach der Insolvenz? Jetzt kriegen wir gar kein Geld mehr«, schimpft Bernhard Mislintat. Er gehört mit 55 Jahren zu den älteren Busfahrern, seit 24 Jahren fährt er für VMR. Schon das bevorstehende Aus im Sommer trifft ihn hart, die Insolvenz aber setzt noch einen drauf. »Rethmann hat Milliarden, aber keine drei Millionen für uns«, schüttelt er den Kopf. Seine Kollegin Annette Krüger (37) wettert mit: »Das ist doch eine echte Sauerei!« Alle Hoffnung habe man auf das Schlichtungsgespräch gesetzt: »Dafür haben wir extra mit dem Streik aufgehört. Nun die Absage und die Insolvenz. Das war doch alles Berechnung!«
In kleinen Gruppen stehen die Busfahrer zusammen. Jetzt noch den Bus lenken? »Das fällt schwer, bei dieser Stimmung«, sagt Jörg Suwade (38). Jeder müsse das selbst entscheiden, habe die Gewerkschaft gesagt. Suwade: »Wenn wir jetzt auf den Bock steigen, dann tun wir das nur für die Fahrgäste.« Frank Möller (47) erzählt, dass es bereits viele Krankmeldungen gebe, auch Kündigungen: »Einer hat das Handtuch geschmissen, die anderen aber halten zusammen. Acht haben sich neue Jobs gesucht.«
»Ob ich auch noch mal eine Arbeit kriege?«, fragt sich Horst Hägermann. Vor 30 Jahren hat er bei VMR angefangen. Heute arbeitet er in der Werkstatt und als Busfahrer. »Mit 52 kann ich doch nicht zu Hause bleiben. Und für acht Euro die Stunde arbeiten? Wie soll das gehen?« Heute wird die Belegschaft in einer Betriebsversammlung über das weitere Vorgehen beraten. Streiks seien nicht geplant.
Verdi hält an Sozialplan fest
Als »unmenschlich und unmoralisch« bezeichnet Verdi den Umgang von VMR/Rhenus mit ihren Mitarbeitern. »Man hat den Eindruck, dass VMR im Rhenus-Konzern, der ja 40 000 Mitarbeiter hat, nur so am Rande mitbearbeitet wird«, sagte Geschäftsführer Werner Linnemann. Vor dem Hintergrund, dass ein Vertrauter der Familie Rethmann - die Gesellschafter von Rhenus - einer Schlichtung ausdrücklich zugestimmt habe, sei dieser Rückzug trotz Insolvenz fragwürdig.
Linnemann: »Wie wollen die Rethmanns ihr Verhalten dem Arbeitsminister erklären? Sie leben auch von öffentlichen Aufträgen«, sagt Linnemann. Jetzt wolle man den direkten Kontakt zur Familie suchen und eine Protestaktion an deren Wohnsitz organisieren. Auch hält Verdi weiterhin an der Forderung nach einem Sozialplan fest, wird aber im Moment keine Streiks ausrufen. Linnemann: »Dieser Druck hat bei einem insolventen Unternehmen keine Wirkung mehr.« Man setze jetzt auf einen Runden Tisch, an dem die Kreise mit ihrer ÖPNV-Gesellschaft MHV, die Politik, Verdi, VMR-Betriebsrat und der Insolvenzverwalter über die Zukunft der etwa 200 Mitarbeiter beraten. Verdi sieht immer noch die Chance, dass die Belegschaft vom VMR-Nachfolger übernommen wird.
Kommentar: Lieber pleite statt sozial?
Auf der einen Seite die hohe Überschuldung - auf der anderen Seite liquide genug für Gehälter und Fortsetzung des Busverkehrs. Das eine ist so schlecht wie das andere gut. Wie aber passt das zusammen? Wie rot müssen Zahlen sein, um Insolvenz zu beantragen? Der Wirtschaftsplan für 2010 ging durch - inklusive der betrieblichen Altersrenten. 300 000 Euro sollen es plötzlich mehr sein. Die Spritpreise - angeblich auch ein Grund für die Schulden - steigen erst seit Januar. Und 2008 waren sie genauso hoch wie heute. Kosten für den Streik? Ausgaben unbekannt.
Geschäftsführer Wolfgang Orth konnte auch zur Bilanz des Unternehmens keine genauen Angaben machen. Ist der VMR-Gesellschafterin, Rhenus Veniro, die Insolvenz sympathischer als ein Sozialplan? Welche Moral muss man haben, um Menschen so ins Abseits zu stellen? Oder setzt VMR Hoffnung in den Nachfolger? Nach dem Motto: Der wird's schon richten? Viele Fragen, keine Antworten! Nur ein gallenbitterer Beigeschmack bleibt. Bärbel Hillebrenner
Quelle: Westfalen-Blatt
Grüße, Alexander

RE: Verkehrsbetriebe Minden-Ravensberg stellen Insolvenzantrag
in Ostwestfalen 07.06.2011 21:47von Leroy B. •
Noch nicht einmal eine Woche, dann geht das Kapitel VMR zu Ende, welches am 1. Januar 1982 geöffnet wurde. Am Freitag, den 10.06. rollen das letzte mal die Busse der Verkehrsbetriebe Minden Ravensberg. Samstags wird der Betrieb ruhen und ab Sonntag, dem 12.06 starten die "roten Renner" der BVO im Liniennetz von Herford und Minden. Unsere neuen Linienbusse werden Fabrikneue MAN Lions City sein.

RE: Verkehrsbetriebe Minden-Ravensberg stellen Insolvenzantrag
in Ostwestfalen 08.06.2011 19:32von Jörg B. • ( Gast )

Ja, jede Ära geht einmal zu Ende!
Hier noch etwas zum Thema insolvenz von Verkehrsbetrieben:
Alsfeld
Kamp: Reisebüro und Verkehrsbetriebe melden Insolvenz an
03.02.2010 - ALSFELD
(OZ). Erneut steht ein Alsfelder Traditionsunternehmen vor dem aus: Wie gestern bekannt wurde haben die Alsfelder Verkehrsbetriebe und das Reisebüro Kamp bereits in der vergangenen Woche Insolvenz angemeldet. Der Marburger Rechtsanwalt Dr. Boris Schmidt-Burbach, der im Auftrag des Insolvenzverwalters mit der Abwicklung des Verfahrens betraut ist, bemüht sich nach Angaben der Geschäftsleitung im Rahmen der Sanierung um den Erhalt aller 24 Arbeitsplätze, die von der Insolvenz betroffen sind. Die Geschäfte des Unternehmens werden derzeit "voll umfänglich" weiter geführt, wurde gestern betont
.
http://www.oberhessische-zeitung.de/loka...eld/8343198.htm

RE: Verkehrsbetriebe Minden-Ravensberg stellen Insolvenzantrag
in Ostwestfalen 21.07.2011 23:15von Philipp K. •

RE: Verkehrsbetriebe Minden-Ravensberg stellen Insolvenzantrag
in Ostwestfalen 23.07.2011 01:15von Philipp K. •

RE: Verkehrsbetriebe Minden-Ravensberg stellen Insolvenzantrag
in Ostwestfalen 24.07.2011 22:52von Jörg B. • ( Gast )

01.07.2011
BVO Busverkehr Ostwestfalen GmbH, Bielefeld
Torsten Schrader
Die BVO Busverkehr Ostwestfalen GmbH mit Sitz in Bielefeld hat Mitte Juni neue Niederflurbusse für den Stadtverkehr in Herford und Minden in Betrieb genommen, nachdem die BVO hier die Leistungen der Verkehrsbetriebe Minden.-Ravensberg übernehmen konnte. Insgesamt handelt es sich um 26 MAN A21 (Lion's City) und vier MAN A23 (Lion's City).
Quelle: Stadtbus.de

RE: Verkehrsbetriebe Minden-Ravensberg stellen Insolvenzantrag
in Ostwestfalen 01.08.2011 11:24von Leroy B. •
Viele gingen zum Omnibushandel Manuel Röttgen, nach Köhne ins Extertal, Bollmeyer hat einige gekauft... Die Sparkassen Citaros gingen - soweit ich weiß - vollständig nach Pieper in Herford. Zwei oder drei Busse gingen auch nach Zülpich...
@Phillip: Soweit ich weiß gingen nur neun Citaros + einer der Sprinter nach Celle...
Laut meinem Kenntnisstand sind es die MB O530 Nr. 305, 306, 307, 309 u. 310, die Facelift Citaros Nr. 325, 326, 327 und 328 sowie der MB Sprinter Nr. 850.

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