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#1

Betuwe – Das Bangen geht weiter

in Güterverkehr 06.11.2010 08:58
von Alexander SchmitzModerator |
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Das Vertrauen in Zusagen zum Ausbau der Strecke samt Lärmschutz schwindet. In der Region verstärkt sich der Eindruck, dass die Bahn stattdessen auf die Blockverdichtung setzt. "Dann sind unsere Dörfer tot", sagt Hamminkelns Bürgermeister Schlierf. Das Land fordert ein Bekenntnis vom Bund.

Wenn in diesen Tagen in der Region über die Betuwe debattiert wird, fällt immer häufiger die Reizvokabel "Stuttgart 21". Noch bleibt's am Schienenstrang bei rhetorischen Drohgebärden. Doch die Wut wächst.

In der Region verdichtet sich der Eindruck, dass die Realität den vermeintlich erkämpften Lärmschutz überrollt. Während man in den Rathäusern weiter auf den Bauantrag (Unterlagen zur Planfeststellung) für das dritte Gleis wartet, wird die Strecke seit Monaten mit modernster Signaltechnik hochgerüstet – sichtbares Zeichen dafür, dass die gefürchtete Blockverdichtung im Anmarsch ist. Was harmlos klingt, meint die Erhöhung der Zugfolge bis zum Anschlag.

Vor geschlossener Schranke

Das hätte gravierende Folgen. "Dann sind unsere Dörfer tot", bringt es Hamminkelns Bürgermeister Holger Schlierf als Sprecher der Anrainer-Kommunen auf den Punkt. Mehr Züge bedeuten längere Schließzeiten vor den Schranken. Die Region stünde an der Wand, Lärmschutz auf dem Abstellgleis. "Mit ungestörter Nachtruhe wär's vorbei", so Dr. Ulrich Krüger.

Nicht nur der Staatssekretär im NRW-Innenministerium, ausgewiesener Betuwe-Kenner, sieht den Kampf um sozialverträglichen Ausbau in einer entscheidenden Phase. Gelinge es nicht, die Bahn AG zu bremsen, die Kapazität der zweigleisigen Strecke bis zum Anschlag auszureizen, würde die das wirtschaftliche Interesse am Ausbau samt Lärmschutz gänzlich verlieren.

Die Zahlen sprechen dafür. Während das dritte Gleis mit rund einer Milliarde Euro gehandelt wird, sind für die technische Hochrüstung der Bestandsstrecke nicht mal 200 Millionen veranschlagt. Lärmschutz reduziert sich hier auf ein Minimum: die Gleise werden regelmäßig geschliffen, damit die Räder reibungsloser rollen. Eventuell werden Dämpfer eingebaut. Das wär's.

So ist die Region froh, dass das Land auf die Vereinbarung von 2002 pocht. Da haben sich auch Bund und Bahn dazu bekannt, erst für Lärmschutz zu sorgen, ehe Blockverdichtung kommt. Vereinbarung heißt nicht Vertrag, denkt die Bahn. Abgesehen davon, gehen die Vorstellungen über Lärmschutz im Zuge der Blockverdichtung weit auseinander.

Das Land, inzwischen politisch anders gefärbt als Berlin, ist in dieser Woche vorstellig geworden in der Bundeshaupstadt. Ob da nun in Sachen Betuwe Kollisionskurs gesteuert wird, ist offen. Fest steht, dass bis 2020 noch kein Geld für den Ausbau der Betuwe zur Verfügung steht. Aus dem "Arbeitstreffen" der Verkehrsminister wird kolportiert, dass der Bund "weiter zur Betuwe steht". Diese butterweiche Äußerung soll in Kürze schriftlich unterfüttert werden, hat SPD-Landtagsabgeordneter Norbert Meesters (Wesel) in Erfahrung bringen können. Er verspricht, sein Ohr weiter auf die Schiene zu legen.

Quelle: Rheinische Post


Grüße, Alexander

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#2

RE: Betuwe – Das Bangen geht weiter

in Güterverkehr 06.11.2010 09:01
von Marcel HilgersAdministrator |
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Reißt die Strecke einfach ab und baut den Eisernen Rhein wieder auf...*muhaha*


Mit freundlichen Grüßen
Marcel Hilgers
(Admin)

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#3

RE: Betuwe – Das Bangen geht weiter

in Güterverkehr 06.11.2010 09:53
von Andreas BeeckAdministrator |
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Angesichts der vorhandenen Fahrtrouten der Güterzüge und der Kapazitäten auf den Strecken wird der Eiserne Rhein nicht mehr benötigt, es ist ja auch mehr als ruhig geworden um dieses Vorhaben.
Und die Anwohner an den Strecken sollen mal kleinere Brötchen backen; wer an die Bahn zieht, muss damit rechenen, dass die Bahn dort den größtmöglichen Nutzen aus der Strecke ziehen will. Und wenn dort dann mehr Züge fahren, dann ist das eben so.
Und mal ehrlich: wenn man jetzt ein neues Stellwerk baut, wird das 3. Gleis wohl nie kommen, sonst hätte man Gleisausbau und Stellwerksneubau parallel betreiben können. Die derzeit auf der Strecke doch recht langen Blockabstände werden halt nun sinnvoll verkürzt und so die Strecke leistungsfähiger gemacht. Das ist nebenbei um Längen günstiger als der Bau des 3. Gleises.
Das 3. Gleis ist meiner Meinung nach das über Venlo, das im Regelbetrieb ja aber schon nur noch wenig genutzt wird für Güterzüge.


Gruß aus Mönchengladbach, der einzigen Stadt mit 2 Hauptbahnhöfen, wünscht
Andreas Beeck (Admin)

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#4

RE: Betuwe – Das Bangen geht weiter

in Güterverkehr 06.11.2010 20:29
von Marcel HilgersAdministrator |
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Zitat von Andreas Beeck
Angesichts der vorhandenen Fahrtrouten der Güterzüge und der Kapazitäten auf den Strecken wird der Eiserne Rhein nicht mehr benötigt, es ist ja auch mehr als ruhig geworden um dieses Vorhaben.


Das ist die Ruhe vor dem Sturm...[21]


Zitat von Andreas Beeck
Und die Anwohner an den Strecken sollen mal kleinere Brötchen backen; wer an die Bahn zieht, muss damit rechenen, dass die Bahn dort den größtmöglichen Nutzen aus der Strecke ziehen will. Und wenn dort dann mehr Züge fahren, dann ist das eben so.


Jopp...und so lange die DB kein drittes Gleis baut, besteht noch nicht einmal die Verpflichtung zu Lärmschutzmaßnahmen...


Mit freundlichen Grüßen
Marcel Hilgers
(Admin)

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#5

RE: Betuwe – Das Bangen geht weiter

in Güterverkehr 07.11.2010 09:20
von Andreas BeeckAdministrator |
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Zitat von Marcel Hilgers
Jopp...und so lange die DB kein drittes Gleis baut, besteht noch nicht einmal die Verpflichtung zu Lärmschutzmaßnahmen...


Jein; sollte die Strecke im Lärmprogramm der Bundesregierung sein (wie z.B. das Rheintal), dann doch...


Gruß aus Mönchengladbach, der einzigen Stadt mit 2 Hauptbahnhöfen, wünscht
Andreas Beeck (Admin)

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#6

Betuwe: Bahn will Blockverdichtung

in Güterverkehr 26.11.2010 20:32
von Alexander SchmitzModerator |
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Nachdem Bundesverkehrsminister Ramsauer (CSU) den Ausbau der Betuwe mit dem dritten Gleis samt Lärmschutz in der Dringlichkeit zurückgestuft hat, befürchtet die Region, dass die Bahn für Jahre allein auf Blockverdichtung setzt.

"Blockverdichtung" hat in der Region das Zeug zum Unwort des Jahres. Im Zusammenhang mit der Betuwe-Linie verbreitet die Vokabel zunehmend Schrecken. Denn sie steht für die optimale Auslastung der 72 Kilometer langen Schienenstrecke zwischen Emmerich und Oberhausen mit einer maximalen Anzahl von Zügen.

Doch was bedeutet Blockverdichtung? Wie ist der Stand der Dinge bei der Bahn? Gibt es noch Hoffnung auf Lärmschutz? Die RP gibt einen Überblick. Die Zugzahlen Heute sind's um die 215 Züge pro Tag, die den Anwohnern mehr oder minder stark in den Ohren liegen. In gut einem Jahr könnten's rund um die Uhr schon bis zu 317 sein. Dafür ist die Bahn seit zwei Jahren dabei, die technischen Voraussetzungen zu schaffen und investiert dafür rund 163 Millionen Euro.

Die Technik Die neue Technik fährt unter dem schnittigen Kürzel ETCS. Das steht für European Trail Control System und heißt übersetzt Europäisches Sicherungssystem für Züge. Dadurch wird auch die Betuwe als niederrheinisches Bindeglied im Güterverkehrskorridor Rotterdam – Genua ein Baustein, um mit Zügen ohne zeitraubende Lokomotiv-Wechsel quer durch Europa fahren zu können.

Das Hirn zur Optimierung der Betuwe entsteht in Emmerich, wo das Elektronische Stellwerk (ESTW) gebaut wird. In Mehrhoog ist gerade unmittelbar an der Park & Ride-Anlage eine Teilstation errichtet worden.

Der Zeitplan Das hochmoderne System, so der Zeitplan, soll Ende nächsten Jahres komplett betriebsfähig sein und schafft die "technischen Voraussetzungen für die Blockverdichtung", so ein Bahnsprecher.

Noch werden Leitungen verlegt, neue Signale errichtet oder Weichen verändert. Der Abschnitt zwischen der niederländischen Grenze und Wesel soll im Sommer stehen, der Rest der Strecke bis Oberhausen-Sterkrade bis Ende 2011 fit sein. Zwischen Diersfordt und Wesel liegen neue Signale zur Montage bereit.

Die Blockverdichtung Was "Blockverdichtung" konkret meint, erläutert der Bahnsprecher mit einem Metermaß. Den Meter könne man in fünf Abschnitte à 20 Zentimeter einteilen, aber auch in zehn à zehn Zentimeter. Eine Bahnstrecke sei in "Blöcke zwischen zwei Signalen" aufgeteilt, in denen jeweils nur ein Zug unterwegs sein darf. Bislang existieren auf der Betuwe-Strecke 52 Blöcke, künftig werden es 85 sein, in denen, elektronisch gesteuert je ein Zug zeitgleich rollen kann. Die hochintelligente Technik schafft somit die Möglichkeit, bis zu 100 Züge mehr pro Tag – die meisten davon wohl nachts – rollen zu lassen.

Um die Blöcke aber vollfahren zu können, fehlt noch die Genehmigung. Die Bahn ist zuversichtlich, dass mit der Technik auch die Planfeststellung – eine Premiere bei einer reinen Kapazitätssteigerung – steht. "Es bedarf schließlich keiner größeren baulichen Maßnahmen", so der Bahnsprecher.

Der Lärmschutz Geregelt wird im Verfahren auch der Lärmschutz, den die Bahn vornehmlich mit dem "besonders überwachten Gleis" (BüG) sicherstellen will. Gemeint ist, die Schienen abzuschleifen, sobald sich lautgebende Riefen bilden. Auch neuartige sogenannte "Schienenstegdämpfer", – eine noch nicht offiziell genehmigte Technik – ist im Gespräch. Kritiker wollen wissen, dass dafür lediglich Test-Abschnitte von insgesamt drei Kilometern im Blick sind – da, wo kein drittes Gleis geplant ist.

Die Bahnübergänge Schwierig werde es, die 55 Bahnübergänge an der Strecke zeitig zu beseitigen, auch wenn zwischen Städten und Bahn "nur noch" in 15 "Dissensfällen" abweichende Vorstellungen verhandelt werden und das Land im Falle einer Einigung zugesichert hat, die kommunalen Kosten komplett zu übernehmen.

Dass die Region mit der Aktivierung der Blockverdichtung ewig vor der Schranke steht, ist für den Sprecher der Bahn keine zwangsläufige Folge: "Man muss sehen, was die neue Technik an Optimierungspotenzial für die Schließzeiten bietet." Geschlossene Schranken treffen Hamminkeln, Rees und Emmerich stärker als Wesel und Dinslaken.

Das dritte Gleis
Was aus dem in der Region favorisierten und politisch zugesicherten Ausbau der Strecke mit dem dritten Gleis samt Lärmschutz wird, steht auf einem anderen Blatt. Die Planfeststellung stockt, soll aber "ganz normal weiterlaufen". Die Bahn aktualisiert ihren Bauantrag derzeit, um ihn im Frühjahr dem Eisenbahnbundesamt erneut vorzulegen.

Die Bahn will sich bis Ende 2011 endgültig mit Bund und Land auf die Finanzierung verständigt haben – so der Plan, just zu dem Zeitpunkt, an dem die Blockverdichtung nach dem Fahrplan der Bahn freigeschaltet werden soll.

Die Finanzierung
Dass dann die Einigung zustande kommt, für den Ausbau der Strecke 1,2 Milliarden Euro zu investieren, daran hat die Region nachhaltig Zweifel. Schließlich hat der Bundesverkehrsminister das Projekt gerade in seiner aktualisierten Kosten-Nutzen-Rechnung deutlich herabgestuft. Für viele ist das dritte nun endgültig ein Abstellgleis.

Quelle: Rheinische Post


Grüße, Alexander

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