So! Weihnachtsbraten durchgerutscht, Zeit für die wesentlichen Dinge... ;-) Euch allen ein frohes Fest!
Und der (noch) NVV wollen wir dann auch gleich mal ein besinnliches Fest wünschen. Vllt. kommt mal was konstruktives raus...
Zum Thema: Ich bin ja wirklich für jede Art der Verbesserung des hiesigen Busverkehrs, aber den Ruf nach Doppelgelenkbussen halte ich in dem Zusammenhang für nachrangig. Vorausgeschickt: Wie alle kennen die NVV. Die Wahrscheinlichkeit innovativer Fahrzeugkonzepte ist bei den derzeitigen Verantwortlichen ungefähr so hoch, wie Schnee an Weihnachten in der Sahara.
Warum sind denn insbesondere die Linien 001 und 002 oftmals rappelvoll? Meiner Meinung nach bestimmt nicht, weil das eingesetzte Fahrzeug zu wenig Platz bietet. Der Grund liegt doch eigentlich tiefer. Das jetzige Bedienkonzept ist insgesamt völlig überholt und kann den Anforderungen nicht gerecht werden. Ich geb mal ein paar Beispiele:
Fahrplangestaltung:
-Überlappender 20-Minuten Takt (bei unterschiedlichen Linienlängen) auf der Hauptachse in der HVZ passt zwar ins Taktschema des Unternehmens, nicht aber zur Nachfrage auf DER Hauptachse. Hier muss es eine Umstellung auf 7,5 Minuten in der HVZ geben. Der Doppelgelenker könnte zwar in der konkreten Fahrt mehr Fahrgäste aufnehmen, hat aber trotzdem das Problem, den Fahrgastwechsel an den Hst. nicht schnell genug hinzubekommen. Denn der Vordereinstieg würde auch bei ihm gelten und den Barverkauf wird man wohl auch beibehalten.
- Nebenverkehrsbedienung braucht ebenfalls keinen Doppelgelenker, sondern eine Angebotsumstellung durch Taktverdichtung. Zwar würden beim 30-Minuten Takt in der SVZ alle mitkommen, aber in der heutigen "mobilen" Zeit wollen die Leute Fahrbeziehungen haben. Gerade auf Kurzstrecken ist die Anzahl der Fahrten wichtiger als der Sitzplatz.
- Die heutige Auslastung der Linien 1 und 2 ist durch die mangelnde Fahrplanstabilität verursacht. Ich fahre jeden Tag mit den Linien. Der Plan wird seltenst eingehalten. Nicht weil der Bus zu voll ist, sondern Verspätung im Verkehr aufbaut. Probleme entstehen dadurch, dass der eh schon schlechte (s.o.) Takt nicht gehalten wird und sich Fahrgäste an den Hst. aufstauen.
Schaut Euch die "tolle" Ampelschaltung im Bereich Fr.-Ebert-Str. an. Teures Geld in die Begradigung des Linienweges über Hst. Hauptstr. gesteckt. Fahrzeitgewinn gleich null, da LSA-Beeinflußung nur auf dem Papier steht. Weiter ist die Schleife über Rheydt-HBF ein Problem, da trotz Busspur ein enormer Zeitverlust eintritt. Auch die Bedienung HBF/Bismarkplatz - Eicken ist völliger Anachronismus. Da braucht es bei intelligenter Gestaltung von 3, 15, 33 keine 1/2. Die Busse haben kaum Wendezeit an der Künkelstraße und starten daher ihre Fahrt schon mit Verspätung.
- Die Spitzenabdeckung (FH) funktioniert gar nicht. Es gibt genau einen E-Wagen, der auf die Studenten zugeschnitten ist. Der ist auch noch Solowagen, während neben ihm ein Gelenkwagen Depoteinfahrt hat. Hier könnte man - ohne Mehrleistungen - wesentlich effektiver handeln. Zudem ändern sich die Fahrgastströme. Der ein oder andere E-Wagen ist überholt und könnte zur Abfederung Spitzen 1/2 verkehren.
Beim Doppelgelenker sehe ich Probleme mit dem Fuhrparkmanagement:
- Wenn der Einstieg in den Doppelgelenker erfolgt, bekommt der Fuhrpark einen zusätzlichen Fahrzeugtypen, der Anpassungen bei Materialbewirtschaftung, Werkstattausstattung u.ä. nach sich zieht. Das macht den Betrieb insgesamt teurer.
- Der Doppelgelenker würde weitgehend "Inselfahrzeug" für die Linien 1 und 2. Eine solch eingeschränkte Verwendung mag kein Betriebsplaner. Was ist bei technischen Ausfällen und Revisionen? Sollen noch Reservefahrzeuge angeschafft werden, die die Kosten treiben aber keinen Nutzen haben wenn sie auf der Rheinstraße rumstehen? Denn wenn ich hingehe und eine Achse auf ein innovatives Fahrzeug umstelle, werde ich das auch vermarkten. Dann muss aber auch die Gewähr dafür bestehen, genügend Fz. zu haben.
- Wenn Doppelgelenker angeschafft werden, sinkt die Anzahl der Einfachgelenker. Die sind aber im Netz wirtschaftlicher und flexibler einzusetzen, stünden für Spitzen (bspw. Stadionverkehr) aber nicht mehr ausreichend zur Verfügung.