Noch rattert die Ringbahn-Linie 706 jeden Morgen um 4.30 Uhr aus dem alten Bilker Rheinbahn-Depot „Am Steinberg“. Doch in wenigen Monaten ist dort endgültig Schicht, sollen die eisernen Tore für immer schließen.
„Wir gehen raus. Wir wollen das Gelände vermarkten. Die Rheinbahn braucht Geld“, kündigt Unternehmenssprecher Georg Schumacher an.
Spätestens im März ist die 20 Millionen Euro teure Erweiterung des Betriebshofes Lierenfeld für die Wehrhahnlinie fertig. Die über hundert Jahre alten Straßenbahn-Hallen in Bilk werden dann endgültig nicht mehr für den Linienbetrieb benötigt. Die Rheinbahn will das Gelände möglichst schnell räumen und ihre dort abgestellten historischen Züge auf die anderen Betriebshöfe verteilen. Ein Stück Düsseldorfer Geschichte soll schließlich den wohl Meistbietenden zum Verkauf angeboten werden.
Ein Standort für Düsseldorfer Historie
Diejenigen, die das verhindern wollen, wählen ihre Worte behutsam. Sie wollen kein Porzellan zerschlagen, niemanden vor den Kopf stoßen. Sie wollen überzeugen, wollen deutlich machen, welche einmalige Chance sich für Düsseldorf bietet. „Hier schlummert ein Schatz“, betont Hans Männel, stellvertretender Vorsitzender des 80 Mitglieder starken Vereins „Linie D“, der sich bereits seit 20 Jahren für den historischen Nahverkehr in Düsseldorf und für den Erhalt des Bilker Depots engagiert. Jetzt geht es um das Ganze. Die Zeit läuft ab, um die Weichen noch umstellen zu können.
Der Betriebshof Am Steinberg, der 1908 in Betrieb genommen wurde, ist der letzte aus dem Anfang des 20. Jahrhunderts. Der Bau in Bilk war damals dringend nötig, weil sich der öffentliche Nahverkehr in Düsseldorf in einem rasanten Tempo entwickelte. Das Straßenbahn-Netz wurde später das dichteste in Deutschland.
Hans Männel sieht im Bilker Depot die letzte Möglichkeit für die Stadt, ein Stück Düsseldorfer Industrie- und Verkehrsgeschichte zu präsentieren. Der Verein „Linie D“ will ein „historisches, lebendiges Verkehrszentrum“ schaffen. Dort kann der Oldtimer-Fuhrpark mit immerhin 33 alten Zügen, Beiwagen und Bussen untergebracht werden. Von dort aus können die Charter- und Stadtrundfahrten beginnen. In den Hallen, von denen zwei in die Denkmalschutzliste eingetragen wurden, können zudem die alten Bahnen und Busse einer „interessierten Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden. „Das würden wir ohne viel Aufwand schaffen“, ist Männel überzeugt.
„Das finden sie in ganz Deutschland nicht“
Zu sehen gibt es genug: Von allen bedeutenden Düsseldorfer Straßenbahn-Typen, die seit den 20er Jahren gebaut wurden, existiert noch mindestens ein Zug. Und: Die Oldtimer „sind fast alle noch betriebsfähig. Sie können im gesamten Straßenbahn-Netz fahren. Das finden sie in ganz Deutschland nicht“, betont der Vereins-Vize.
Jetzt will der Vorstand von „Linie D“ mit den Entscheidungsträgern sprechen, um eine Lösung für den Betriebshof Am Steinberg zu finden. Einer, der sich für das alte Deport stark macht, ist FDP-Fraktionschef Manfred Neuenhaus. Gemeinsam mit der CDU hat er im Koalitionsvertrag bereits festgehalten, dass die alten Straßenbahn-Hallen erhalten bleiben. Neuenhaus will im Depot „Technik-Geschichte erlebbar machen“ und Schulklassen“ Anschauungsunterricht zum Thema Mobilität in der Stadt bieten. Das Areal dürfe nächstes Jahr nicht geschlossen werden, sondern müsse weiter für die Stadtrundfahrten und „Linie D“ zur Verfügung stehen.
Hallen müssen saniert werden
Dringend nötig sei eine Sanierung der Hallen, so Neuenhaus. „Wir brauchen noch in diesem Jahr eine Planung, was mit dem alten Betriebshof passieren soll“, erklärt der Liberale. Zwar gehört das Grundstück der Rheinbahn, „die Planungshoheit liegt aber bei der Stadt“, so Manfred Neuenhaus.
Quelle: NRZ NeueRheinZeitung Düsseldorf